Return of the Dicke Taube Marsabit, 29.12.2004Come to where the Mullah is. Come to Muslim Country. Da sind wir wieder, im Land der Freudlosen. Direkt hinter der kenianischen Grenze, im Grenzort Moyale geht es wieder los: es gibt kein Bier mehr, geschweige denn anderen Alkohol. Nur noch Limo, uebrzuckerten Tee und Kaffe aus Tueten. Der internationale Vertrieb von Coca Cola hat ganze Dienste geleistet, in jedem noch so abgelegenen Kaff gibt's Coke oder Fanta. Wir koennen sie aergern, indem wir ihnen erklaeren, dass das Zeug aus Amerika kommt, aus dem Land von George W. Bush. Keiner kann verstehen, dass man Bier auch wegen des Geschmacks trinkt und nicht nur, um sich damit zu besaufen. Ab hier ist's vorbei mit den feingliedrigen schlanken Naturschoenheiten wie im Sudan oder Nordaethiopien. Frau ist wieder baeuerlich plump und unelegant, traegt Schneidezaehne aus Weissgold und verhuellt ihren ungeahnten Charme unter undurchsichtigen Tuechern, auch diese mit Metallfaeden durchzogen. Mann sitzt dagegen stumpf in der Ecke, kaut Miraa, die kenianische Variante des aethiopischen Chat und glotzt nur scheel. Bekommt er doch mal die Zaehne auseinader, versteht man kein Wort, weil er das Zeug als einen dicken, kleingekauten Klumpen in der Backe hat. Vielleicht auch besser so, denn "what's your name" und "where you come from" haben wir wahrlich schon zur Genuege gehoert. nach Diktat verreist -dwo |
| afrikanische Logik marsabit, 29.12.2004als wir morgens um sieben an dem platz in moyale ankommen, wo der bus nach marsabit abfahren soll, steht da nichts. der bus sei noch in marsabit. "mechanical breakdown", lautet die begruendung. dann muesst ihr eben morgen fahren, meinen die leute am fahrkartenschalter der busgesellschaft. bloss das nicht. keine stunde laenger in diesem grenzkaff, in dem es bier nur in der "prison canteen" gibt. ploetzlich ist da ein jeep, und ganz schnell eine menschentraube. einer der busleute winkt uns herbei, er hat drei plaetze fuer uns organisiert (natuerlich gegen ein kleines trinkgeld). als leo, unser reisecompanero, beim einladen bittet, doch eine plastikplane ueber die dieseloellache im kofferraum zu legen, wird er uebel angeblafft. vom fahrer, wie sich herausstellt. und schon ist die atmosphaere im wagen vergiftet, den wir mit drei kenianerinnen teilen. unser fahrer ist dermassen uebellaunig, aber gottlob haben wir um zwoelf bereits die halbe strecke und die meisten schlagloecher hinter uns. um viertel vor eins haelt unser fahrer ploetzlich in einer ebene, die mit schwarzen lavabrocken uebersaet ist. die sonne brennt erbarmungslos, es ist unglaublich. der fahrer oeffnet die motorhaube, fummelt an irgendwas im motor herum und macht ein langes gesicht. wir steigen aus. was ist los? "der motor ist zu heiss", sagt er in gebrochenem englisch. mehr nicht. dann holt er einen wasserkanister und beginnt, den trockengefallenen kuehler aufzufuellen. das wasser rauscht durch und pladdert unten wieder raus auf die piste. wie schauen den motor naeher an. alles ist irgendwie geflickt, aus dem zylinderblock quillt durch eine ritze ueberhitztes oel. da stehen wir also. es geht nicht weiter. unser fahrer setzt sich in den staub und starrt in die ferne. als ein truck vorbeikommt, macht er keinerlei anstalten, diesen um hilfe anzuhalten. schliesslich waescht er sich die fuesse und betet auf einem tuch. die richtung von mekka trifft er nicht ganz, aber es ist auch heiss. eine der kenianischen frauen betet ebenfalls. dann passiert wieder lange nichts. woldo verfaellt in die afrikanische starre der ereignislosigkeit, die ryszard kapuscinski in "afrikanisches fieber" so schoen beschrieben hat. auf der rueckklappe des jeeps, im schneidersitz mit geschlossenen augen, stoffwechselt sie im schatten der klappe vor sich hin. nach zwei stunden kommt ein weiterer truck und haelt. der fahrer hat freundlicherweise ahnung, denn es ist ein ueberlandtruck fuer traveller (allerdings ohne tour). in zwei minuten hat er das problem entdeckt. ein schlauch vom kuehler zum motor hatte sich geloest, weil er nur lose aufgesteckt war - ohne flansch natuerlich. uns wird klar, dass unser fahrer keinen schimmer von diesem wagen hat, obwohl er die strecke jeden tag hin und zurueck faehrt. der jeep wird gestartet, der truck entfernt sich richtung moyale und wir fahren weiter. nach einer halben stunde bitten wir den fahrer, noch mal das kuehlerwasser zu kontrollieren. das tut er und wuergt dabei den motor ab. der danach nicht mehr anspringt. kein wunder, da einer der batteriekontakte lose herumschlackert, nur mit einer badelatsche - kein witz - festgeklemmt. mit seinem einzigen werkzeug, einer zange, fummelt er vergeblich an dem kontakt herum. idiotisch. wir muessen den wagen anschieben, damit er anspringt. von da haelt der fahrer alle halbe stunde, um seinen kuehler mit wasser zu besprengen. drei kilometer vor marsabit, unserem ziel, bleibt er dann endgueltig stehen. er wolle seinen motor nicht riskieren. endstation? wir schwanken zwischen sarkastischen lachanfaellen und beschimpfungen, und unser fahrer verflucht uns, weil wir seine ganze bloedheit vor den frauen blossstellen. der typ faehrt tagein, taugaus seinen jeep ein stueck weiter dem exitus entgegen, und ploetzlich packt ihn das risikobewusstsein? der wagen ist nie im leben je gewartet worden, seit er ihn faehrt (hat 370.000 kilometer runter). "that's africa", beruhigt uns eine der kenianerinnen, als wir in den sonnenuntergang, so kurz vorm ziel, starren. "take it easy." |
| master & servant moyale, 28.12.2004langsam und schleichend wirst du wieder zum weissen kolonialherren. redest auf eine nachtkappe in einem strassenrestaurant ein, was du essen moechtest. er nickt, behaelt kein wort, und innerlich rollst du schon wieder mit den augen. oder lachst in dich hinein. erklaerst dem typen im hotel, dass das zimmer nicht sauber ist, dass die vollmundig versprochene dusche nur ein rinnsal ist. leo, unser hollaendischer reisecompanero, macht den nachtkappen dieser welt mit subtilem und paedagogischem witz beine. ploetzlich laufen sie, versprechen alles in ordnung zu bringen, weil er in aussicht stellt, ueber den preis reden zu wollen. wir fragen im medina hotel in moyale nach handtuechern, und ein paar minuten spaeter kommt einer mit einem einzigen handtuch. fuer uns drei. erklaert leo, dass gerade kein weiteres da sei, aber morgen bestimmt. aber morgen sind wir schon in marsabit. "can you forgive me?" fragt der hotelscherge leo. was fuer ein satz. das muss man sich mal ueberlegen. "well, I have to think about it", antwortet er trocken, und wir brechen in lachen aus, als der handtuchueberbringer wieder abgezogen ist. man redet am ende in einem tonfall mit den leuten, als ob sie nicht alle tassen im schrank haetten. das ist schon schlimm genug. noch schlimmer ist, dass wir aufgehoert haben, die generation der 20-, 25-jaehrigen ueberhaupt ernst zu nehmen. sonne, schmutz und anstrengung vernebeln dir zuweilen den verstand, und zuletzt ziehst du dich hilflos in die rolle dessen, der das geld fuer alles hat, zurueck. laesst dich in genau diese rolle hineindraengen, die dir die einheimischen ohnehin wegen deiner hautfarbe zugeschrieben haben. wir, die seltsamen "faranji" mit den rucksaecken voller geld, das wir in europa von den baeumen gepflueckt haben. wie kommt man da wieder raus? -nbo |
| endlich in kenia! moyale, 28.12.2004da sind wir wieder, vor drei stunden an der kenianischen grenze eingetroffen, nach einer woche im rift valley in suedaethiopien, leider offline - aber wir wuenschen euch allen noch nachtraeglich frohe weihnachten. wir haben oft an euch gedacht und uns vorgestellt, wie es waere, wenn ihr euch ploetzlich an unseren tisch hoch ueber den riftvalley-seen abaya und chamo beamen koenntet. wir hatten trotzdem einen tollen heiligabend. wie das kam und was wir sonst erlebt haben, schreiben wir so schnell wie moeglich auf. hier im grenzland ist es mit dem global village noch nicht so weit her, die internetverbindungen sind sporadisch und grottenlangsam. vorsichtshalber jetzt schon mal einen guten rutsch! |
| Ein Schulaufsatz 28.12.2004Heute sind wir busgefahren, von Aethiopien nach Kenia. Wir haben viele Tiere gesehen. Zwei Dik-Diks und eine Antilope und einen grossen Leoparden. Alle tot. Plattgefahren auf dem Trans-Afrika Highway. Wie schade. nach Diktat verreist -dwo |
| durchs rift valley 27.12.2004ich bin gluecklich wie ein kind, dass stundenlang in einem spielzeuglaster umhergefahren wird. fuehle mich zurueckversetzt in jene zeit vor 30 jahren, als wir aus dem ruhrgebiet nach hessen zogen und ich zwischen kisten, teppichrollen und anderem kram rumtollte. so aehnlich sieht es auch auf der ladeflaeche des trucks aus, der drei stunden durchs rift valley braust. mangokisten, chatsaecke, autoreifen, kartoffelsaecke, darauf und dazwischen unglaublich viele menschen... der heisse fahrtwind blaest mir ins gesicht, taeler oeffnen sich zu weiter savanne, gewaltige bergruecken naehern sich und verschwinden wieder, waehrend die ausladenden afrikanischen baeume vorbeifliegen. da, drei dik-diks, hasengrosse antilopen, ueberqueren die strasse. eine pavianfamilie. wir halten in einem ausgetrockneten dorf. eine dicke frau verkauft von unserem laster herunter buendelweise chat, diese wachmacherblaetter. arme recken sich, birr-scheine werden ueber den wagenrand gereicht, aufgeregte gesichter, aufgebrachte stimmen, das woechentliche dope ist da. dann fahren wir weiter und lassen eine rote staubfahne zurueck. termitenhuegel saeumen die schnurgerade piste wie insektenwolkenkratzer. ein paar maenner tauchen am horizont auf, einige rufe, wir halten. alle fuenf haben ein gewehr umgehaengt, einer eine kalaschnikow. aber sie haben nichts uebles im sinn. auch sie warten nur auf ihre chatration, die sie fuer die naechsten stunden high machen wird. der einzige kick, den diese leere landschaft hergibt. wir lassen die knarrentraeger und das tal hinter uns, der truck quaelt sich jetzt die berge hinauf, die baeume stehen dichter, alles ist saftig gruen. irgendwo knabbern kamele an zweigen. "you" sagt der junge bursche mir gegenueber, "photo?" ich schuettele den kopf. diese bilder kann man gar nicht alle festhalten. es sind zu viele. grossartiger als kino. -nbo |
| in anti-aethiopien konso, 26.12.2004mit einem isuzu-LKW fahren wir von konso in eins der umliegenden bergdoerfer. aethiopien ist hier laengst zuende. die menschen sprechen nicht mehr amharisch, sondern konso. wie vogelnester thronen diese doerfer auf 1500 meter hohen gipfeln. was wir dort finden, ist eine ueberraschung: eine fast mittelalterliche stadt, machekie. von engen steinmauern eingefasste gassen ziehen sich zwischen familiengrundstuecken mit strohlehmhuetten dahin, oeffnen sich zu grossen plaetzen. 5000 menschen leben hier auf engstem raum, davon allein 1000 kinder im grundschulalter und juenger. wir sind attraktion, sie folgen uns schnatternd und fragend auf schritt und tritt. dinote, unser guide, erzaehlt uns, dass noch vor einigen jahren die menschen weggerannt sind , als er erste touristen hierher brachte. er musste die einwohner geradezu anbetteln, fuer ein foto naeherzukommen. die leute hier haben schnell begriffen, dass dabei etwas zu holen ist. heute recken sich unzaehlige haende nach einem birr-schein. frauen posieren mit einem baby an der brust, einer wollspindel in aktion. alle 18 jahre errichten die machekianer einen neuen generationspfahl auf ihren plaetzen. daran machen sie ihre zeitrechnung fest. wie alt einer genau ist, wissen sie nicht, nur ob einer vor oder nach dem aufstellen eines pfahls geboren wurde. die machekianer sind aber vor allem in einer hinsicht bemerkenswert. sie sind die einzigen in ostafrika, die seit jahrhunderten eine landwirtschaft auf befestigten terrassen betreiben. dadurch haben sie verhindert, dass an den berghaengen der boden durch erosion abgetragen wird. die gesellschaftsordnung ist noch strikt. junge maenner muessen zwischen ihrem zwoelften geburtstag und der heirat in gemeinschaftshaeusern wohnen. sex vor der ehe ist verboten. und wo sollte er auch stattfinden, in dem engen dorf bleibt nichts unbemerkt, kennt jeder jeden. ich frage mich, wovon die jungen, die auf uns einreden, traeumen. "willst du hier bleiben oder nach addis gehen, wenn du gross bist?" frage ich einen, aber er schaut mich nur verstaendnislos an. wer weiss, was passiert, wenn einer hier die satellitenschuessel mitbringt. auch im weiter entfernten omo valley ist die zeit - noch - stehengeblieben, wie uns kapo kansa, unser guide in arba minch, erzaehlt hat. leo, ein sehr netter hollaender, der vorhin in konso eingetroffen ist und mit uns die tour macht, berichtet von einem erlebnis auf dem markt in jinka. dort habe er eine frau in stammestracht fotografiert und das foto mit einem stueck seife bezahlen muessen. die frau aber habe die seife angeschaut wie einen ausserirdischen gegenstand, als wisse sie nicht, was sie damit machen solle. suedwestaethiopien ist ein flickenteppich von staemmen (und sprachen), die mit der moderne bisher nur ueber kameraobjektive von touristen, alkohol und birr-geldscheine in beruehrung gekommen sind. die aethiopier, also die tonangebenden staemme der amharer (20 mio), oromier (16 mio) und tigrinier (5 mio) aus dem norden, empfinden sie ebenso als kolonialherren wie diese frueher die briten oder italiener. fuer sie ist die aethiopische nation ein sinnloses konstrukt. -nbo |
| entschleunigung bis zum stillstand konso, 26.12.2004von der balkonveranda des st. mary hotels, des einzigen dreistoeckigen hauses in konso, beobachte ich die zentrale kreuzung dieses bergortes. die aethiopische fahne flattert ueber der verkehrsinsel im wind. in der morgendlichen sonne werfen menschen und kuehe noch lange schatten ueber die rote schotterstrasse. alles scheint scheint wie in zeitlupe abzulaufen. niemand eilt irgendwohin. nur ein paar kinder rennen kurz hinter einem jeep her. spaetestens mit 13 werden sie sich das abgewoehnt haben. danach werden sie nur noch schlendern wie alle erwachsenen maenner hier. die strasse rauf und wieder runter, einmal um die verkehrsinsel, um dann fuer eine halbe stunde auf der mauer der einzigen tankstelle von konso zu sitzen. um zu warten. aber vielleicht ist schon "warten" ein falsches wort, ein westliches wort. in konso wird heute, an einem sonntag, nichts passieren. der bus aus arba minch ist schon angekommen, der aus jinka wird gleich da sein, und das war's dann. mehr busse kommen nicht. ein paar faranji fahren in der jeep-kolonne einer organisierten tour in den hof gegenueber. nur ein paar frauen ackern schwer und schleppen tiefgebueckt riesige brennholzbuendel auf dem ruecken ueber die kreuzung. die maenner schaukeln lieber ihre eier - eine rollenverteilung wie in vielen (dritt)weltgegenden. an diesem leben prallen saemtliche konzepte der westlichen moderne ab. "effizienz", "produktivitaet", das laesst sich wahrscheinlich in der konso-sprache nur umstaendlich umschreiben. alles ist bricolage, improvisation, reine gegenwart, aber ohne jede romantik oder erleuchtung, nein, ganz schier. da ist nichts cooles, nicht faszinierendes dran. eine entschleunigung, die im stillstand endet. nicht das, was sich der von burnout bedrohte westler unter einer lektion "entschleunigung" vorstellt. es gibt nichts zu lernen. alles, was sich da unten abspielt, ist offensichtlich und belanglos. fuer den westler gibt es keinen weg, der dort unten auf die kreuzung fuehrt. er wird dort nie ankommen koennen. voellig ausgeschlossen. -nbo |
| small is beautiful arba minch, 25.12.2004bezabe, unser weihnachtsmann gestern und eine wahre seele von mensch, zeigt uns mittags sein schulprojekt. von den spenden aus dem siegerland, wo er seit den achtigern lebt, hat er gebrauchte laptops, PCs, drucker und scanner organisiert und nach arba minch gebracht. zusammen mit einigen verwandten und bekannten hat er dort das private omo teachers training institute (omo TTI) gegruendet. "ich habe allen auf unserer sitzung heute morgen noch mal klar gemacht, dass das hier kein profitunternehmen ist", erzaehlt er uns. fuer ihn ist es echte hilfe zur selbsthilfe, vorbei an NGOs und internationalen grossprojekten, in denen das geld zu oft versickert. am omo TTI werden 300 grundschullehrer ausgebildet. zehn monate dauert das programm, das in zwei etagen eines versicherungsgebaeudes in der oberstadt von arba minch stattfindet. ein lehreranwaerter benoetigt fuer diese zeit samt miete und essen 480 euro. was fuer eine laecherliche summe fuer uns, die wir zuhause womoeglich an einem langen wochenende in einer europaeischen grossstadt auf den kopf hauen. bezabe ist aethiopier und siegerlaender zugleich. dass auslaender hier in aethiopien manchmal "sonderpreise" aufgedrueckt bekommen, beschaemt ihn, vor allem, wenn es seine freunde sind. ueber die wasserversorgung in arba minch geraet er richtig in rage. obwohl es manchmal schuettet und die stadt 40 natuerliche quellen hat, gibt es manchmal jeden zweiten tag kein wasser. von den zwei pumpen des wasserwerks, die vor 20 jahren aus deutschland kamen, funktioniert nur noch eine richtig. bezabes naechstes projekt ist die errichtung einer modellgrundschule, an der die frischgebackenen lehrer des omo TTI das gelernt gleich umsetzen koennen. wenn er das zum laufen bringt, hat er mit seinen freunden ein modell fuer all die kommunen geschaffen, die die misswirtschaft in addis links liegen laesst. selber machen statt eloquent zu lamentieren oder neoliberalen effizienztraeumen nachzuhaengen. E.F. Schumacher, der schoepfer der "small is beautiful"-idee, haette seine freude gehabt. -nbo |
| Stille Nacht, heilige Nacht Arba Minch, 24.12.2004Nach unserem Weihnachtsspaziergang quer durch das Rift Valley machen wir es uns nach anstrengendem, 8-stuendigen Fussmarsch durch sumpfigen Dschungel und bruellheissem Aufstieg des 400m hohen Huegels gluecklich und erschoepft mit einem Bier auf der Hotelterrasse gemuetlich und schauen auf unsere vollbrachte Leistung zurueck. "May I get this chair?" frage ich einen Aethiopier am Nebentisch. "Ja, der ist frei", antwortet dieser mit gerolltem 'R'. "Oh, Sie sprechen deutsch?" "Ja, ein wenig", schmunzelt er. "Ich wohne seit 20 Jahren in Deutschland, im Siegerland." "Mensch, das is ja'n Ding. Kennen Sie Muesen?" "Ja sicher, ich wohne in Kreuztal." "Achwas! Meine Schwester wohnt mit ihrer Familie in Hilchenbach." "Ja, das kenne ich, ist nur 10 Kilometer von uns entfernt, Zufaelle gibt's!" Sein Sohn Daniel kommt dazu, ein knorke Typ, 14 Jahre, Wuschelkopf, aber wir muessen dringend duschen. Als wir nach einer dreiviertel Stunde auf die Terrasse zurueck kommen, erwarten uns die Beiden schon am gedeckten Tisch, mit Blumen und brennender Kerze. "Das war Daniels Idee" sagt Bezabe stolz. "Ich moechte Sie heute abend einladen, hier in meinem Land, weil ich den Deutschen etwas zurueckgeben moechte." Wir sind platt und geruehrt von so viel Herzlichkeit. Er faengt an zu erzaehlen, von seiner Anfangszeit in Deutschland. 3 Monate nur Pommes und Currywurst, weil er nicht wusste, wie er etwas anderes bestellen sollte. Heute ist er hier in Arba Minch, um nach seinem Schulprojekt zu schauen, das er mit privaten Spendengeldern hochgezogen hat. "Klein, aber fein", sagt er. "Wir ermoeglichen Kindern, die ihre Eltern durch AIDS verloren haben, eine Schulausbildung. Denn das ist die Voraussetzung fuer ein besseres Leben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mir mit meiner Schwester damals einen Bleistift teilen musste. Ich weiss, woran es hier mangelt." Diesmal hatte er neben T-Shirts der Sparkasse Siegen zwoelf Laptops im Gepaeck, sein ganzer Stolz. Alles finanziert mit privaten Spenden. Wir verabreden uns fuer den naechsten Tag, um dieses Schulprojekt zu besuchen. Wir reden und reden und unterdessen hat sich der Himmel mit drohend schwarzen Wolken zugezogen. Es blitzt und donnert jetzt und schuettet wie aus Eimern. Wir sitzen mitten im Gewitter unter der ueberdachten Terrasse, durch das Rift Valley schiessen schwefelig-silbrige Blitze, die das ganze Tal erleuchten, eine gewaltige Szenerie. Waehrend unserer angeregten Unterhaltung ziehen wir gemeinsam ueber die NGOs her und bekomen gar nicht mit, dass sich das Unwetter mittlerweile verzogen hat. Zum Schluss werden wir noch ueberhaeuft mit Segen und guten Wuenschen und fuehlen uns zu Heilig Abend wieder einmal sehr willkommen in der Ferne. Kann es Zufall sein, dass wir dieses liebenswerte Vater-Sohn Gespann ausgerechnet heute getroffen haben? nach Diktat verreist -dwo |
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