morgens in nairobi
9.1.2005

"3 gangster gelyncht", lautet eine der schlagzeilen des tages. auf dem lande in kenia wird nicht lange gefackelt. es geht auch ohne polizei und rechtsstaat. ein schauder ueberkommt mich, waehrend ich an einem frischen fruchtsaft nippe. ploetzlich geschrei auf dem buergersteig vor dem cafe in downtown, ein mann rennt vorbei, drei, vier andere sind ihm auf den fersen. "der hat was gestohlen", sagt der kenianer am nebentisch trocken und liest weiter in seiner zeitung. die strasse vor dem cafe geraet in bewegung, ich stehe auf, schaue der meute nach, die jetzt mit jedem meter anschwillt. wachleute kommen aus den eingaengen von banken und laeden und schliessen sich der verfolgungsjagd an. schon haben sich an die hundert passanten in der strassenflucht versammelt, hinter einem querstehenden muellabfuhrlaster ertoenen wuetende rufe und beschimpfungen. vorsichtig bahne ich mir den weg durch die menge, da vorne in ihrer mitte klafft ein loch, umgeben von hasserfuellten gesichtern, die auf den buergersteig starren. ich erhasche einen blick durch die koerper und beine, ein mann liegt am boden, fusstritte prasseln auf ihn ein. einige aeltere maenner und wachleute, versuchen ihn abzuschirmen, aber die menge scheint ausser rand und band. dann schaffen sie es, den verdaechtigen auf die beine zu stellen. er blutet an der stirn. rotz und wasser laufen ihm uebers gesicht. er zittert am ganzen leib, waehrend ihm verwuenschungen entgegenschlagen. dann wird er in einen hauseingang gebracht, und die menge beruhigt sich langsam. nach drei minuten ist der spuk vorbei, und alle gehen wieder ihren geschaeften nach. der vulkan nairobi hat kurz sein wahres gesicht gezeigt. -nbo

 

a taste of nairobbery
nairobi, 8.1.2005

man soll den tag nicht vor dem abend loben. es sind nur wenige hundert meter von der "trattoria" zu unserem hotel. die strassen sind hell erleuchtet, warum ein taxi nehmen? wir vier sind kurz vor unserer strasse, als wir eine meute herumlungernder typen an einer strassenecke sehen. sie sitzen da und machen nichts. wir beschliessen, die strassenseite zu wechseln. woldo und ich sind schon fast drueben, als wir lautes geschrei hoeren. wir drehen uns um und sehen sieben, acht nichtsnutze wegrennen. leos geistesgegenwart, sie so laut wie moeglich anzubruellen, hat sie vertrieben, sie hatten ihre finger schon fast an seinen und an alans armen. geschockt erreichen wir die andere strassenseite. geschockt, weil auch nachts noch genuegend wachleute auf den buergersteigen vor sich hin doesen. die polizei hat die innenstadt offenbar laengst aufgegeben, wie uns die leute im hotel erzaehlen. "solchen halunken legt man am besten einen reifen um den hals", sagt einer und grinst noch dabei. -nbo

 

ein paar verspaetete tips zu aethiopien...
8.1.2005

TRANSPORT rumreisen in aethiopien ist leider fuerchterlich - weil alle busse grundsaetzlich um 5:30 - 6 h abfahren. da es keine sitzplatznummern gibt, muss man mindestens eine halbe stunde eher da sein, um sich dann mit den restlichen reisenden um die plaetze zu balgen. das bedeutet etwa um 4 h aufstehen. da macht das busfahren ueberhaupt keinen spass, zumal die busse zu kleine sitze haben, 5 in einer reihe und meistens alt und klapprig sind. --- GONDAR - uebernachten: das runde turmartige "circle hotel" (02251-8-111991) ist zwar schon nach vier jahren runtergewirtschaftet, aber die grossen zimmer haben riesige fensterfronten mit einem tollen blick ins tal. doppelzimmer kostet 80 - 100 birr, je nach verhandlung. oben gibt es bar und restaurant mit dachterasse. - essen und trinken: rund um die piazza gibt es viele tolle cafes und restaurant, in denen man entspannt stunden zu bringen kann. auf der strasse wird man allerdings von kindern und jugendlichern belagert, die geld wollen oder touren anbieten. --- BAHAR DAR uebernachten: da aethiopische guest houses meistens ziemlich schmuddelig sind, sollte man etwas geld ausgeben und ins "ghion", doppelzimmer 150 birr, oder ins "dubambessa" (00251-8-201436), doppelzimmer 140 - 165 birr, gehen. beide haben blick auf den tana-see, das ghion liegt sogar direkt am see, mit einem schoenen open-air-restaurant. im dubambessa ist das personal an der rezeption etwas verpeilt und spricht kaum englisch. die zimmer sind aber schoen. essen: am besten im ghion, da ist es wenigstens gemuetlich. --- ADDIS uebernachten: das "baro hotel" (00251-1-559846, muniyem street, im piazza-viertel) ist mit 75 birr pro doppelzimmer richtig billig, sauberkeit ist OK. der gruene innenhof mit sofas und tischchen ist eine wahre oase in der stadt. es gibt auch ein schwarzes brett, an dem mitreisende fuer touren gesucht werden koennen. auch nicht schlecht ist das taitu (00251-1-560787), das aelteste hotel von addis, um die ecke vom baro. etwas teurer, aber mit einer sehr schoenen lobby. - kaffee trinken: am de-gaulle-platz im piazza-viertel gibt es gegenueber dem kino, schraeg gegenueber dem electricity house, ein tolles cafe mit vielen tischen auf dem buergersteig. immer rappelvoll, guter kuchen und sehr huebsche kellnerinnen. das "tomoka coffee house" ist ein muss fuer alle kaffeefreaks (wavel street). - essen: arabische und aethiopische kueche gibt es im "omar khayyam" (eden street). sehr gute, etwas teurere aethiopische kueche gibt es im "dashen restaurant" in einer seitenstr. der churchill road (00251-1-529746), taxifahrer wissen wo. am wochenende laeuft dort live-musik, und die addiser (eher wohlhabende) kommen, um den taenzerinnen zuzuschauen oder mitzutanzen. sehr lustige atmosphaere. --- ARBA MINCH uebernachten: in der oberstadt, direkt an der kante zum rift valley liegt das mehr als 40 jahre alte "bekele mola hotel" (00251-2-810046). vollpension kostet 288 birr fuer zwei personen, das doppelzimmer alleine 162 birr. vollpension lohnt sich aber nicht, man faehrt besser, das essen getrennt zu bezahlen (gibt allerdings keine aethiopische kueche, seltsam). man kann hier tage damit zubringen, auf die beiden seen und den nechisar national park zu schauen. die kellnerinnen sind sehr nett, die maennlichen angestellten hingegen im wesentlichen unfaehig oder schnarchnasig. das wasser faellt jeden zweiten tag aus. - touren: jeder will einem eine tour in den nechisar national park verkaufen. am besten ist man dran, wenn man zum tourist office geht, in der oberstadt, sikela, und das ganze bei kapo kansa, einem sehr netten, ruhigen und wissenden mann bucht. tagestour im jeep kostet 600 birr pro wagen incl. fahrer, eine wanderung mit ihm 100 birr pro tag. dazu kommen 70 birr pro nase parkgebuehr. die krokodilfarm am lake abaya ist schrott, der "krokodilmarkt", eine natuerliche krokodilkolonie am lake chamo soll ganz toll sein (haben wir uns sagen lassen). --- OMO VALLEY auf eigene faust da durch zu fahren, ist so gut wie unmoeglich. man kann 10-tage-touren in und von addis buchen, aber besser ist es, das ganze von arba minch aus zu starten. auch hier ist kapo kansa vom tourist office die erste wahl. der mann kennt das omo valley wie seine westentasche. ausserdem bleibt das geld in arba minch - addis ist schon reich genug. --- KONSO uebernachten: im st. mary hotel kann man fuer 50 birr, doppelzimmer, gut schlafen und von der veranda stundenlang auf die hauptkreuzung des ortes schauen. grosses kino. touren: dinote im tourist office organisiert touren in die umliegenden bergdoerfer. empfehlenswert ist machekie, auch wenn die doerfler schon sehr tourismuserprobt sind. kostet 30 birr fuer dinote (3-stunden-tour) plus 40+birr pro stunde fuer den wagen. in konso gibt es allerdings keine jeeps, gefahren wird mit isuzu-lastern. ein echtes abenteuer. --- VON KONSO NACH YABELO wer aus dem rift valley an die kenianische grenze moechte, kann montags und donnerstags, an den markttagen, fuer 20 birr mit einem truck nach yabelo fahren, dort trifft man wieder auf die nord-sued-strasse ostafrikas, die von addis runterkommt und bis nairobi fuehrt.

 

die grossstadt leuchtet
nairobi, 8.1.2005

ein tolles neues jahr wuenschen wir euch. unseres hat gut begonnen, und nun sind wir nach einer phantastischen tour in nairobi angekommen. ja, diese stadt meint es gut mit uns. wir finden in einem buchladen unseren footprint-reisefuehrer wieder, der uns in aethiopien abhanden kam. es gibt supermaerkte mit joghurt. cafes mit espresso. zeitungen. asphaltierte strassen, hochhaeuser, bars, verkehr, schnelle internetverbindungen, ach eine richtige grossstadt. kein zweifel, nairobi ist die modernste stadt zwischen beirut und suedafrika, mehr noch als kairo. wir geniessen es, wieder in der zivilisation zu sein. unter afrikakennern ist nairobi als "nairobbery" verschrien. tatsaechlich habe ich noch nie so viele wachmaenner pro hektar gesehen wie in dieser stadt. westlands, die vorstadt, durch die wir gestern nachmittag in die stadt reingefahren sind, ist eine sammlung aus festungen, in denen villen stehen. die zukunft des kapitalismus, so sieht sie aus. aber im zentrum laesst es sich aushalten. heute abend gehen wir in die "trattoria", in der salami, schinken, antipasti und parmesan in der theke liegen! ach, wir fuehlen uns gerade sauwohl. und auch nicht zu alt (lest mal moschess bemerkung in den kommentaren, was seine nachbarn ueber uns denken). alan, der neuseelaender, der mit uns auf tour war, ein pfundskerl mit knochentrockenem witz, ist 74 - und faehrt jedes jahr zweimal fuer mehrere monate in die so genannte dritte welt. da sehen doch moschess' nachbarn ganz schoen alt aus. -nbo

 

Von jedem ein Bisschen
7.1.2005

Alles, was piekt und beissen kann, hat es auf mich abgesehen. Ganze Galaxien von Mueckenstichen trage ich mit mir herum. Nicht nur die Muecken finden Gefallen an mir. Als ich mich am Lake Turkana auf die Matratze setze, wird mein nackiger Po von Ameisen innigst Willkommen geheissen, es brennt hoellisch. Unsere Safari-Truppe ist eine bunte Mischung von Abenteuerlustigen: Leo, der 45-jaehrige Architekt aus Holland, seit Konso/Aethiopien unser Reisegefaehrte. Vali, 22 Jahre, Inder, seit seinem 11 Lebensjahr in Australien aufgewachsen, Mathematik- und IT-begeistert, dem sein Studienfach (internationale Finanzen) offensichtlich schwer zu schaffen macht, nach seinen maltraetierten Fingernaegeln und Nagelbetten zu urteilen. Mit Angehoerigen in Nairobi und dem Rest der Welt, natuerlich in den Geschaeftsmetropolen, tuechtig, wie die Inder nun mal sind. Und dann ist da der etwas spurlose Ingenieur Oliver aus Muenchen, 35 Jahre. Frage, konkrete Antwort, Punkt. Seit Oktober ist er im Overland-Truck unterwegs, war schon in Uganda und im Kongo. Zu guter Letzt ist da Alan, der Zorbas aus Christchurch, Neuseeland. Nachdem seine Frau starb, hat er kurzerhand seine Firma verkauft und sich dem Reisen gewidmet. Kein Land, das der 74-jaehrige robuste Ruhepol der Reisegemeinde noch nicht gesehen hat. Es macht Spass, sich mit ihm zu unterhalten. Sein unterschwelliger Humor und wacher Verstand machen Mut fuer das Alter, seine Neugier und Offenheit wuenscht man manchem 30-jaehrigen. Mit diesem internationalen Potpouri verlegen wir unser gemeinsames Silvester vor auf elf Uhr. Sinnlos, bis zwoelf Uhr abzuwarten, in Australien und Neuseeland ist es laengst vorbei und in Deutschland erst in zwei Stunden soweit. Mit handwarmem Bier prosten wir uns am Lagerfeuer ins neue Jahr. Wie ich es vermisst habe, das Zelten in der Wildnis! Sollen sie doch kommen, die Kreuch- und Fleuchtiere, ich bin gewappnet! nach Diktat safari (kisuaheli fuer reisen) dwo

 

im rausch der weite
4./5.1.2005

ganz langsam quaelt sich der toyota landcruiser die geroellpiste vom ufer des turkana-sees herauf. da ist kein weg, nur noch zwei rillen im schotter. irgendwann bleibt er in den steinen stecken, die raeder graben sich bei jedem druck aufs gaspedal noch tiefer ein. sami, unser koch, und ein junge geben dem wagen schliesslich den schubs, um wenigstens zuruecksetzen zu koennen. dann prescht nikos, unser fahrer, den schotterhang hinauf, dass die steine fliegen, und wir stapfen hinterher. eine stunde spaeter haben wir den talkessel des sees hinter uns gelassen. eine turkanafamilie taucht aus den savannenbueschen am strassenrand auf, gestikuliert. ob wir wasser haben, fragen sie nikos. schuesseln und bottiche werden aus dem wassertank des jeeps aufgefuellt. die frauen tragen eine art irokesenhaarschnitt, ihre ohren sind mit grossen ringen behaengt. genantes gelaechter, als wir uns ein paar fotos von ihnen "stehlen". dann fahren wir weiter und sie ziehen ihres weges durch die ausgedoerrte landschaft. durch trockene bachbetten treibt nikos den wagen steile haenge hinauf, immer hoeher, bis wir auf einem pass ankommen. eine atemberaubende landschaft oeffnet sich, endlose geschwungene savannenebenen, eingefasst von schroffen bergruecken. der fahrtwind ist heiss wie ein foehn. nach drei stunden erreichen wir schliesslich tuum, ein dorf am rande eines weiten, flachen tals. vier junge samburus laden unser gepaeck auf kamele, die wuetend bruellen und lieber an den baeumen knabbern wuerden. dann setzen wir uns im gaensemarsch in bewegung und machen uns auf den weg zu unserem camp. die samburus hinter uns lachen und stimmen irgendwann einen rhythmischen sprechgesang an. der erste singt ein zeile, der zweite uebernimmt, dann der dritte, der vierte. so ziehen wir am fusse der berge durch die savanne. bis baragoi, zur naechsten "stadt", sind es 50 kilometer. leeres land. nicht ganz: manchmal kreuzt eine ziegenherde unseren weg, dann sind es einige kuehe mit dem typisch afrikanischen fetthoecker. unsere samburu-kameltreiber sind ganz anders als ihre muerrrischen zeitgenossen in den traurigen doerfern am turkana-see. sie scheinen keine schlechte laune zu kennen. man hoert sie nur reden und lachen im camp, waehrend sami, der koch, auf dem feuer unser abendessen herbeizaubert. von den haengen hinter dem camp klingen kuhglocken, ziegengemecker und vereinzelte rufe von nomadisierenden samburus durch den fruehen abend. im unterschied zu den "staedten" findet man hier auch keine beckham- oder adidas-T-shirts. die maenner tragen karierte lungis, eine art gewickelte herrenroecke. an die gegenwart erinnern nur die digitaluhren, die unsere kameltreiber zwischen ihren traditionellen armreifen am handgelenk tragen. am naechsten morgen bringen sie uns zur strasse, hinten in der savanne, wo wir wieder auf nikos, unseren fahrer und guide, treffen. dann preschen wir wieder in die endlose weite, waehrend die samburus mit ihren kamelen zurueckbleiben, immer kleiner werden und schliesslich zwischen den baeumen verschwinden. -nbo

 

verbranntes niemandsland
am turkana-see, 2./3.1.2005

du sitzt am ufer eines riesigen sees in einem gemuetlichen korbsofa, die sonne scheint, der horizont ist weit. klingt wie eine afrikanische postkartenidylle. doch es gibt kein kuehles bier, nur warmes mineralwasser, und ein heisser wind schlaegt dir pausenlos ins gesicht. du schwitzt dumpf vor dich hin. der see ist kuehl, aber voller krokodile. kein baum weit und breit, kein boot auf dem see, am horizont tuermen sich nur graue, unheimliche berge auf. das ist der turkana-see im rift valley in nordwestkenia (bis 1975 als rudolfsee bekannt). ein verbranntes niemandsland, in dem einige menschen in trostlosen doerfern das ueberleben meistern. das seewasser ist zu salzig, als dass man damit auch nur einen tomatenstrauch, eine gurkenstaude waessern koennte. die menschen leben in huetten, die wie fragile, uebergrosse graspillen am seeufer stehen. auf einer trockenen landzunge fristet eine der letzten beiden elmolo-gemeinden ihr dasein, ein stamm, von dem nur noch 200, 300 angehoerige uebrig sind. ihre sprache ist bereits ausgestorben, heute sprechen sie turkana. kein baum, der in diesem dorf schatten spendet. zum fruehstueck gibt es in diesem dorf von fischern porridge, zum abendessen stockfisch mit brot. tag fuer tag. nur weihnachten habe es fuer das ganze dorf gemuese gegeben, sagt der junge mann, der uns herumfuehrt. im unterschied zu den anderen staemmen der region, den gabra, turkana, rendile oder samburu, haben die elmolo keine kamele, von denen sie frisches blut abzapfen koennen, um damit ihren vitaminbedarf zu decken. manche kinder haben deshalb verkrueppelte fuesse. john lennon erklingt in meinem kopf. "he's a real nowhere-man, sitting in his nowhere-land, making all his nowhere-plans for nobody." hier ereignet sich nichts, hier fuehrt keine strasse hin, hier enden die staubigen pisten. eine schule gibt es immerhin, aber der unterricht nach den weihnachtsferien kann noch nicht beginnen, weil der lehrer fehlt. wahrscheinlich sitzt er in north horr fest und wartet auf einen truck, der ein paar kisten bier und soda zum turkana-see bringt. "das hier ist nicht kenia", sagt ein anderer mann in loyangalani, dem groessten dorf am ostufer des sees, dessen ende man nicht sehen kann. wie eine grosse, tote meeresbucht liegt er da, ueber die eine steife brise von den bergen herunterkommt. kenia, das ist nairobi, und das ist hier weit weg. eine einzige luxuslodge gibt es seltsamerweise in loyangalani, die einem deutschen gehoert. "der trinkt den ganzen tag whiskey", sagen ein paar jungen grinsend. kann man ihm eigentlich nicht verdenken. auf der suche nach einem KUEHLEN getraenk statten wir ihm schliesslich einen besuch ab und finden ihn auf der terrasse. halb lallend, dabei hessisch klingend, erklaert er uns, die wenigen kuehlen drinks, die noch uebrig seien, muesse er fuer seine gaeste aufsparen. seine zaehne sind gelb wie die eines kamels, ein ekelhafter zeitgenosse, wir hauen schnell wieder ab. dann trinken wir notgedrungen eine ziemlich warme cola in einem kleinen laden auf der hauptstrasse. die hitze nervt. immerhin versinkt die sonne schliesslich hinter den schwarzen vulkankegeln der suedinsel des turkana-sees, und wieder ist ein tag im niemandsland rum. morgen werden die samburu, rendile, turkana und elmolo wieder ihre wenigen ziegen und kuehe im harten, stachligen gras am see weiden lassen, dessen wasserspiegel seit jahrzehnten dramatisch sinkt. irgendwann wird nur eine pfuetze uebrig sein, und dann wird der turkana-see tolkiens mordor an faszinierender trostlosigkeit in nichts mehr nachstehen. -nbo

 

flucht im 4WD
marsabit, 31.12.2004

um drei uhr nachmittags warten wir am hauptplatz von marsabit auf den jeep von gametracker, unserer safari-agentur. zum ersten mal haben wir eine solche tour gebucht, denn den turkana-see auf eigene faust zu erreichen, ist nur etwas fuer ganz hartgesottene. wie diesen deutschen, mit dem ich kurz in der kenya lodge quatsche. er war mir bereits gestern in der bank aufgefallen, in seinem langen indischen anzug mit der ueberlangen kurta, mit seinem bart und der riesenrastawollmuetze. seit 1993 ist er aus deutschland weg, lebt die meiste zeit in indien, kommt nur hin und wieder mal zurueck und reist viel durch die weltgeschichte. jetzt wartet er auf einen truck an den turkana-see. es ist einer dieser augenblicke, in denen wir mit unserer hamburg-kapstadt-route die totalen durchschnittsreisenden in dieser weltgegend sind. es gibt immer einen, der viel, viel verrueckter drauf ist und wirklich auf die harte tour die welt erkundet. dann ist der jeep da, woldo und ich steigen ein, laden leo, unseren reisecompanero, und das gepaeck ein. eine halbe stunde spaeter sind wir im marsabit national park und bauen inmitten des dschungels mit drei weiteren safarikumpanen (alan aus neuseeland, vali aus australien und oliver aus muenchen) unsere zelte auf. nur zwei kilometer vom zentrum von marsabit town entfernt, und doch liegen welten dazwischen. schlagartig entspannt sich woldos gesicht, und das alte strahlen, das afrikanische fieber, leuchtet wieder in ihren augen, das nervenden aethiopier und muffige kenianer in den letzten tagen ueberschattet hatten. jetzt sind wir also auf einer safari, diesem relikt kolonialen reisens. aber schon kurze zeit spaeter, als wir durch den feuchtgruenen wald noch einmal zu den kraterseen fahren, elefanten und wasserbueffel sehen, ist mein letztes unbehagen verflogen. hier koennen wir wieder zur ruhe kommen. das grenzgebiet hat woldo, leo und mich geschafft. mit goodwill allein kann man diesem ansturm von gluecksrittern, nachtkappen und durcheinander nicht standhalten. wir fliehen in die afrikanische natur, vor dem heranschleichenden zynismus und unserer eigenen hilflosigkeit. -nbo

 

snapshot, aber was fuer einer
marsabit, 30.12.2004

auf dem weg zum postamt in diesem muffigen kaff komme ich an einem ulkigen laden vorbei. "best fish'n'chips, pudding around" steht da in weissen lettern auf der blauen hauswand. pudding, ja, was die englaender hier so zurueckgelassen haben. ich hole die kamera aus der hosentasche und schau durch den sucher. mit einem mal hebt wildes geschrei an. "stop", "no photo" prasselt es von allen seiten auf mich ein. ich setz die kamera ab, da ist doch niemand, kein mensch vor der linse. rechts neben dem laden sitzt ein mann auf der veranda und bruellt besonders laut herueber. "warum willst du ein foto machen?" ich nehme keine notiz von ihm, bin ich dem kerl etwa rechenschaft schuldig. doch er gibt keine ruhe. "das ist mein besitz. das geht nicht, ohne vorher zu fragen." wie? ich gehe zu ihm hin. "warum willst du ein photo von meinem laden machen?" fragt er schon wieder. "als erinnerung", antworte ich, "mir gefaellt die beschriftung des ladens." "ist das auch nicht fuer business?" setzt er misstrauisch nach. ich bin verbluefft. was meint er denn damit? "nein, nur fuer mich, ich bin tourist." er entspannt sich immer noch nicht. "woher kommst du? bist du amerikaner oder englaender?" "nein, ich komme aus deutschland." "OK", grummelt er und gibt mir dann die erlaubnis, seinen laden zu fotografieren. und sagt: "britain is a very bad country." -nbo

 

baustelle...
marsabit, 30.12.2004

ich stehe hier in kenias wildem norden im postamt von marsabit an einem von vier internet-terminals, die sich eine einzige modemverbindung teilen. was ihr hier unten seht, ist der versuch, schon mal ein paar eintraege aus der letzten zeit anzulegen. das dauert pro eintrag etwa 6 minuten! aufschreiben werden wir alles in nairobi, der digitalsten stadt ostafrikas, die wir am 7. januar erreichen werden. bis dahin werden wir an einer organisierten safari teilnehmen (habt ihr ganz richtig gelesen). morgen nachmittag um drei geht's hier in marsabit los. euch allen einen guten rutsch!!! -nbo

 


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