auf in den sudan!
assuan, 5.12.2004

OK, leute, der lonely planet ist zuende, die zeit in aegypten auch. morgen bewegen wir uns auf den weissen fleck auf der landkarte zu, mit dem alle zur zeit nur mord und totschlag verbinden: den sudan. um sechs uhr abends geht die faehre ueber den nasser-stausee den nil flussaufwaerts bis zur sudanesischen grenze. es gibt keine bilder von bekannten sehenswuerdigkeiten mehr, keinen reisefuehrer, aber einige ermutigende berichte in travellerforen im netz, dass der sudan trotz seines schlechten rufs ein schoenes land sein soll. bis bald, nbo & dwo --- PS: die tips zu syrien, beirut und jordanien haben wir endlich eingetragen. die zu aegypten folgen demnaechst.

 

nahost-schnipsel
5.12.2004

zuerst das wichtigste: bier- und zigarettenpreise. in syrien kostet das lokale bier (z.b. al chark) ca. 60 syrische pfund (1 euro), in beirut fanden wir nur importiertes bier fuer 3000 libanesische pfund (1,70 euro), in jordanien gibt es mit "philadelphia" eine richtig gute marke, aber die flasche kostet 3 jordanische dinar (3,50 euro), das ist leider der einheitspreis fuer bier im hashemite kingdom!! in aegypten kostet ein "stella" ab 8 pfund (1 euro). zigaretten kosten in syrien zwischen 50 und 80 pfund (80 cent bis 1,30 euro), in beirut knapp einen euro, in jordanien einen dinar (1,15 euro) und in aegypten ab 2,50 pfund (0,28 euro). marlboro ist natuerlich ueberall teurer, aber muss man das rauchen? --- Fuer Sauberkeit und Hygiene hat man hier keine Schwaeche, in der Gruppe erst recht nicht. Wenn mehr als zwei zusammenstehen, hinterlassen sie eine Muellhalde, alles wird einfach fallengelassen oder weggeworfen, wo man gerade steht. Ekel-GAU bis jetzt: die "Bowle" auf der Frauen-Hocktoilette auf der Faehre von Akaba nach Nuweiba, als die Wasserpumpe nicht funktionierte, keine weiteren Details... --- die aegyptischen maenner fahren voll auf libanesinnen ab, erzaehlt uns alaa. das libanesische arabisch klingt fuer aegyptische ohren irgenwie geil und sexy, weil die libanesen in ihrer alltagssprache woerter benutzen, die aegypter offenbar als "dirty" empfinden --- obwohl sich araber und amerikaner (um das mal so pauschal zu schreiben) zur zeit spinnefeind sind, gibt es drei auffaellige gemeinsamkeiten: ein hang zur froemmelei bis hin zum gefuehl goettlicher auserwaehltheit, ein nationales uebergewichtsproblem, da beide auf zucker abfahren (die leute schaufeln sich hier ihren tee zu, in jordanien ist die haelfte der bevoelkerung uebergewichtig, warnen gesundheitsexperten), und einen hang zur alkohol-prohibition. signifikantester unterschied: die araber sind meist kettenraucher, die amis haben eine rauchphobie. vielleicht liegt's daran, dass sie sich nicht richtig verstehen. --- der bedouine schaltet die autoscheinwerfer erst an, wenn es stockdunkel ist. die daemmerung ist ihm noch hell genug. --- In Damaskus im Swiss-Magazin den ersten Burkini gesichtet: eine Burka bis zum Bauchnabel, mit Sehschlitz und Tangahoeschen, leider nur eine Persiflage eines europaeischen Kuenstlers. --- wer hat den arabischen maennern bloss diesen einheitshaarschnitteingeredet? vom syrischen praesidenten bis zum taxifahrer: fast alle tragen kurz geschnitten und dann leicht nach hinten gekaemmt (manchmal mit ein wenig gel drin). sieht schrecklich spiessig aus, erst recht mit schnurrbart --- obwohl wir per luftlinie nicht weit von der westbank entfernt waren, konnte man von der unruhe wegen arafats tod in jordanien und syrien nicht viel spueren. die leute haben in seinen letzten tagen im krankenhaus in paris ueberall am fernseher gehangen, aber das war's dann auch. naja, die zeitungsschlagzeilen konnten wir natuerlich nicht entziffern. in amman hingen nach seinem tod die flaggen auf halbmast. --- thema zeitungen: wer nicht an die internationale presse herankommt, muss hier nicht verhungern. in allen vier laendern, in denen wir waren, gibt es eine englischsprachige tageszeitung. in syrien die syrian times (nur acht seiten, schlecht und propagandistisch), im libanon den lebanon daily star (recht umfangreich, gut gemacht), in jordanien die jordan times (auch brachbar) und in aegypten den egyptian chronicle (acht seiten, geht noch). in aegypten erscheint ausserdem die englischsprachige wochenzeitung al ahram weekly. ein lesenswertes blatt, in dem kluge koepfe und intellektuelle ueber die gegenwart raesonnieren. --- Fast alle Autos fahren mit Diesel, die Luftverschmutzung ist so gewaltig, dass einem abends die Abgase aud der Nase broeseln. --- Am Muezzin kommt keiner vorbei, selbst im christlichen Viertel in Kairo wird gebloekt. Weil es so viele, aus so unterschiedlichen und vor allem schlechten Lautsprechern sind, hoeren sie sich an wie eine wildgewordene Kuhherde beim Almabtrieb. --- In Damaskus kann man keine groessere Strasse ganz normal ueberqueren, man muss ueber einen der kolossalen Fussgaengerueberwege aus Beton, die einer Altkleidersammlung gleichen: ueberall liegen ausrangierte Klamotten auf dem Boden.

 

Servicewueste Aegypten
Assuan, 5.12.2004

So, nun reichts. Raus hier. Mann, bin ich froh, diese Nachtkappen ab morgen nicht mehr sehen zu muessen. Entweder kommen sie hyperaktiv hinter dir hergeschossen, um dir irgendeinen Souvenierkram anzudrehen, oder stehen sich als Festangestellte in irgend einer Ecke zusammengerottet die Fuesse in den Bauch. Sie funktionieren wie Pawlowsche Hunde, bei einem vollstaendigen englischen Satz reagieren sie nicht, man muss ihnen mit Codewoertern das Gewuenschte abringen. Auf "may we get two glasses, please?" wurden wir nur milde angelaechelt. "GLASS, two!" unterstuetzt durch Fingerzeichen, ja, so gehts und zwar nur so. Und mit welch beneidenswerter Gelassenheit der Hotelscherge versucht hat, die Bierflaschen aufzustreicheln. Auf die Bitte um zwei Bettlaken bekamen wir eine dreiviertel Stunde spaeter ein Handtuch, die Toilette blieb trotz Reinigungswunsch ein Jason Pollock, oder doch vielleicht Beuss? Unsere Wasche bekamen wir nass und zerknueddelt aus dem Waescheservice. Man braucht erst gar nicht versuchen, ihnen zu erklaeren, wie Service funktioniert, sie wuerden es nicht verstehen, man dringt nicht zu ihnen durch, nur mildes Laecheln. Hauptsache, man zueckt sein Portemonnaie. Einer wollte doch tatsaechlich zwei Pfund von uns haben, als wir ein altes Hufeisen auf der Strasse gefunden und einsteckt haben, unglaublich. nach Dikat verreist -dwo

 

ein paar gedanken am nil (das leid mit der "leitkultur")
assuan, 5.12.2004

die zugfahrt von luxor nach assuan ist eine wohltat: platz fuer die beine, tee vom schaffner, ein blick auf den nil, zeitung lesen. ach, koennte es doch so bis kapstadt weitergehen. assuan selbst ist genauso entspannt. bei einem tee oder obstsaft auf einem bootrestaurant erholen wir uns vom steinegucken. hier gibt es nichts zu sehen. die sonne scheint, die autos hupen, die nubier scherzen. im economist lese ich ueber den neuen streit um eine "leitkultur" in deutschland. weit weg und doch aergerlich. schroeder und union, die sich gegenseitig mangelnden patriotismus vorwerfen. oja, die deutschen muessen wieder eine normale nation werden. was fuer ein scheiss. was fuer ein krebsgeschwuer die nationalstaatsidee ist, kann man doch wunderbar am nahen osten beobachten. dieser absurde stolz, ein aegypter zu sein; "welch ein glueck, tuerke zu sein" (das prangt ueber tuerkischen kasernentoren, lese ich bei orhan pamuk). ein argwohn gegenueber den nachbarn. selbstueberschaetzung. brauchen wir das noch mal? stoiber kann auf die frage, was fuer ihn die werte der deutschen "leitkultur" seien, nur familie und ein paar allgemeinplaetze benennen, die vermutlich in jedem land der erde gueltigkeit haben. interessanter waere doch, welche deutschen im 20. jahrhundert ueberhaupt eine quelle der inspiration darstellen koennen. fuer meinen teil sind das, unter anderem, in wilder aneinanderreihung: max ernst (erhielt 1919 oder so eine vorladung von der koelner polizei wegen "betrug", da die von ihm ausgestellten kunstobjekte doch keine kunst gewesen seien); johannes litten ("der anwalt, der hitler in die enge trieb"); georg elser sowieso (aufmuepfiger einzelgaenger); wolfgang neuss(der antispiesser); rudi dutschke & fritz teufel (68er-ikonen); willy brandt (fuer seinen kniefall in warschau); peter hein (von fehlfarben, wegen seiner verdienste um die deutsche popmusik, um es mal ganz feierlich zu sagen)... von denen lasse ich mich gerne leiten. was wuerden wohl angela und edmund dazu sagen? und was meint ihr dazu? lasst mal hoeren. -nbo

 

welcome to schergiland
luxor, 3.12.2004

nun sind wir seit drei tagen in "upper egypt", wie man hier sagt. von kairo aus gesehen ist das der etwas lahme sueden. und oha, die leute hier sind wirklich der hammer. schergen vor dem herrn. warum soll einer eine arbeit machen, wenn es nicht auch drei machen koennen? warum besseren service, wenn man einmal das dreifache abzocken kann? das mag jetzt wirklich uebellaunig klingen, aber dieser ort kommt indien bisher am naechsten. wenn dir einer mit turban in einem tempel irgendetwas zeigt, geh bloss nicht hin - dreissig sekunden spaeter murmelt er "bakshish". durch die innenstadt zu laufen, ist eine art davidstrassenerfahrung: die ladenbesitzer stellen sich dir ebenso bestimmt mit penetranten spruechen in den weg wie die nutten in st. pauli. hier sind einfach so viele touristen, dass alle mit minimalem aufwand auf den grossen reibach hoffen. darin unterscheidet sich luxor von der touristenhochburg dahab, wo die leute wirklich pfiffig sind. hier sind sie irgendwie tranig und nervig. ein kutschenfahrer wollte uns gar am liebsten eine runterhauen, weil wir nicht nach der halben strecken aussteigen wollten, denn wir hatten ihn aergerlicherweise auf den halben preis runtergehandelt. vielleicht gibt es zu viele pauschaltouristen, die staendig absurde trinkgelder und was weiss ich bezahlen. woldo und ich haben uns jedenfalls bei diesem verzweifelt lachenden zynismus erwischt, der dich nach dem 30. "want a XY? good price" ueberfaellt. luxor hat aber gottseidank noch mehr als seine schergen zu bieten: den nil und die tempel. auf dem balkon sitzen, den booten auf dem fluss nachschauen, ein stella (das hiesige bier) trinken... sehr angenehm. und dann die geschichte: vor jahrtausenden hiess luxor theben und war das zentrum des altaegyptischen universums. die tempel hier sind schwer beeindruckend, obwohl es schon eine geballte ladung steine angucken ist (drei grosse tempelkomplexe). aber wenn man etwa durch den luxor-tempel geht, zwischen 20 meter hohen granitsaeulen, die stilisierte lotusblueten darstellen, und wuchtigen steintoren, dann kommt einem die akropolis in athen oder das alte rom ploetzlich nicht mehr so spektakulaer vor. dass diese ruinen ebenso wie die pyramiden wissenschaftliche verschwoerungstheorien zum bluehen bringen, wundert mich gar nicht. staendig kann man in statuen und auf reliefs praehistorische astronauten erkennen, wenn man nur will. ein abgefahrener ort, trotz aller schergen. -nbo

 

wieder da!
luxor, 30.11.2004

nach einigen tagen offline in den westlichen oasen sind wir inzwischen in luxor angekommen. jetzt hacken wir fuer euch unsere notizen der letzten tage ueber ein toedlich langsames 56K-modem in den blog - al hamdilullah. zu lesen gibt es noch einiges aus kairo und zum teil verwirrende oasenbeobachtungen...

 

Der Alchemist von Dakhla
Dakhla, 29./30.11.2004

Wer glaubt, eine Oase sei ein maerchenhafter Ort in der Wueste, mit buckligen Lehmhaeuschchen, einem Palmenhain und einem Brunnen, der hat sich geschnitten. Die Oasen auf unserer Tour durch die weisse Wueste sind aufstrebende Kleinstaedte, wo an die touristische Zukunft gedacht wird. Ueberall angefangene Baustellen, an denen erst weiter gearbeitet wird, wenn wieder genuegend Geld da ist. Und genau das versuchen sie, den Touristen aus der Tasche zu ziehen. Wohlwissend, dass man in dieser Oednis auf sie angewiesen ist, verlangen sie fuer alles, sei es Wasser, Tee oder Transport das 2-3 fache des eigentlichen Preises. Nach einem sensationellen Trip durch die weisse Wueste sind wir tags drauf erleichtert, dass wir eine lustige Vierertruppe finden, der wir uns fuer die Weiterfahrt nach Dakhla anschliessen koennen. Ein derzeit arbeitsloser Independentfilmer und Modellflieger aus Schweden mit drei malaysischen Frauen, die sich waehrend der Fahrt ruehrend um uns kuemmern. Die in ihrer Art und Erscheinung eher vehemente der drei Maedels ist die Freundin des Schweden und eine wahre Frohnatur. Die zweite, Typ Asiagazelle ist gleichen Gemuets und die dritte im Bunde, aus der selben Baureihe, aber von der Natur etwas benachteiligt durch das beleidigte-Leberwurst-Gesicht. In Dakhla angekommen, stossen wir im Restaurant seines Bruders auf den 38-jaehrigen Beduinen Nasser und seine deutsche Frau Birgit. Sie haben im Ort ein Hotel und organisieren Touren in die Wueste. Nasser war bereits etliche Male in Deutschland, spricht deutsch und kann ohne seine Wueste nicht leben, wie er sagt. Nach den Versuchungen des Westens hat er hier seinen Platz im Leben gefunden und nun kommt die Welt eben zu ihm. Im Gespraech ueberzeugt er uns nach und nach von seinem faszinierenden Wissensschatz der Naturheilkunde, drueckt mir zwischen Daumen und Zeigenfinger und diagnostiziert einen sensiblen Magen. Soso. Angefixt von seinen Appetithaeppchen und seiner sympathischen Art liege ich am naechsten Morgen in seiner "Hotelpraxis", werde eine Stunde lang massiert und mit Oelen und heissen Schroepfkissen behandelt. Anschliessend rieche ich wie eine Mischung aus Eukalyptusbonbon und Fruehlingsrolle, soll mich zwei Tage lang nicht waschen und fuehle mich wie frisch geschluepft. Oelig und mit zwei handtellergrossen Knutschflecken auf dem Ruecken steige ich in meine Klamotten und bin waehrend der ganzen Fahrt nach Luxor ein kleines, weiches, schlaefriges Knaeuel. Habibi, Inshallah. nach Diktat verreist -dwo

 

dali-land
28./29.11.2004

es gibt sandwuesten, es gibt geroellwuesten, und es gibt die weisse wueste bei farafra. wenn man stunde um stunde durch diesen natuerlichen skulpturengarten aus kalkstein und rotem sand faehrt, meint man, salvador dali koennte hier in einer unbemerkten stunde seines lebens die inspiration fuer seine beruehmten bilder gefunden haben. groteske gesichter, schakalkoepfe und habichtschnaebel balancieren auf duennen steinsaeulen. zu wellenkaemmen geformter kalk schlaegt wie eine erstarrte brandung gegen ausgewaschene felsen. steinplateaus gleissen wie sonnenbeschienenes wasser in der ferne. farag, unser freundlicher fahrer, spricht nicht viel englisch, und das ist diesmal gut so. schweigend geniessen wir diesen surrealistischen traum. als es schon dunkel ist, geht ein orange mond zwischen zwei felsschemen auf und taucht dali-land in fahles licht. ein wuestenfuchs schleicht sich ans lager heran. im schein des lagerfeuers sehen wir seine riesigen ohren. ein kurzer forschender blick, dann tappt er lautlos wieder in die nacht. als farag frierend in der kaelte des aegyptischen winters eingeschlafen ist, sitzen wir noch lange da und starren in den naechtlichen wuestengarten. das einzige geraeusch ist das knacken unserer abgegessenen huehnerknochen, an denen sich der fuchs guetlich tut. kein windhauch, keine fliege, kein motorengeraeusch in der ferne. alles ist leer und friedlich. -nbo

 

oase mit eurozeichen in den augen
farafra, 27.11.2004

farafra ist die zweite oase im oasenbogen, der sich westlich des nils von kairo nach luxor zieht. es ist die kleinste von allen, in der der tourismus gerade erst beginnt. doch genau das entpuppt sich als ihr problem. es gibt nur zwei hotels. weil das badawiya voll ist, landen wir im el waha. die reinste bruchbude. aus dem weitgehend unverstaendlichen gemurmel des tranigen inhabers schliesse ich, dass gerade renoviert wird. jedenfalls ist das haus eine einzige baustelle, obwohl es schon seit drei jahren existiert. als wir unser interesse an einer wuestentour bekunden, ruft der inhaber seinen bruder, der sei der guide, sagt er. hamdy ist ein witziger typ, der als krankenpfleger im hospital arbeitet. er hat das mustergesicht eines beduinen, mit diesen gemalten augenbrauen und dem sorgfaeltig geschnittenen schnurr- und kinnbart. wir plaudern ein wenig, worauf er uns zum essen einlaedt. im schattigen innenhof des hauses seiner schwester gibt es aegyptische brotfladen, gekochtes gemuese und kraeuter zum wuerzen (eins erinnert an rucola). alles kommt aus dem oasengarten der familie, in dem auch melonen, basilikum und fruehlingszwiebeln wachsen. als hamdy beten will, breitet ihm seine schwester den gebetsteppich aus. als er fertig ist, schiebt sie ihm die schlappen hin. er ruehrt keinen finger, gibt leise irgendwelche anweisungen. dennoch traeumt er davon, eines tages eine europaeerin zu heiraten. fuer diesen fall hat er bereits begonnen, ein neues haus zu bauen. ausser mauern steht noch nichts, aber er ist schon weiter als seine brueder, die es bisher nur zum fundament gebracht haben. so weit, so schoen. als wir wieder mit ihm und dem bruder im "hotelbuero" sitzen, um die tour zu besprechen, erleben wir unser blaues wunder. die beiden winden sich ein paar minuten, bevor sie mit dem preis rausruecken. ja, es kaeme darauf an, welche teile der wueste wir sehen wollten, das benzin sei teuer, die strecke aeusserst schwierig zu fahren. mir schwant boeses. wieviel also, frage ich noch einmal. 75 euro pro nase. mich haut's aus dem sessel. 150 euro fuer einen uebernacht-trip in die wueste? der tranige bruder-inhaber geht auf 105 runter. voellig absurd, da der uebliche preis irgendwo bei 50 bis 60 euro fuer einen jeep und bis zu sechs leuten liegt (lob sei dem lonely planet). wir verabschieden uns mit der begruendung, das ganze bei einem tee ueberdenken zu wollen. als wir schon draussen sind, kommt hamdy hinterher. was unser maximum sei. 60, 70 euro sage ich, worauf er uns ins buero zurueckschiebt. wieder quatschen die brueder mit ernsten gesichtern. 75 euro, na gut. aber jetzt traue ich den beiden nicht mehr. sie wollen um jeden preis verhindern, dass wir ein alternativangebot einholen. zu spaet, wir erheben uns, und lassen die beiden genervt in ihrem office zurueck. draussen ist das kaff wie ausgestorben, es ist dunkel. in geradezu detektivischer manier zwischen teehaus und badawiya-hotel bekommen wir in den naechsten zwei stunden heraus, dass a) die beiden brueder nicht die einzigen sind, die mal kurz ein ganzes monatsgehalt abzocken wollen, und b) es eine "richtige" tour gibt - im badawiya-hotel. die ist zwar auch nicht geschenkt, aber der liebenswuerdige manager ueberzeugt uns am ende mit vernuenftigen details und offenheit. perplex gehen wir in unser "hotel" zurueck, wo wir einem sichtlich geknickten hamdy darlegen, warum auf seine art von gefeilsche keinen bock haben. ploetzlich will er alles viel billiger und ohne seinen inhaber-bruder organisieren. but no way. ja, farafra ist gerade auf dem sprung. das alte staubige oasendorf mit seinen lehmhaeusern am palmengarten lebt noch in einer anderen zeit. die neue breite hauptstrasse davor mit den beiden hotels, zwei schulen, dem krankenhaus und etlichen baustellen zeugt hingegen von frischem geld, das nach farafra kommt (nicht nur von touristen, sondern vor allem von der regierung, die die oasen modernisieren will). mit der oasenromantik, die der naive europaeer seit "tausend und eine nacht" im kopf hat, hat beides nichts zu tun. das hier ist das neue aegypten, aber in einer eigenartigen variante. zum ersten mal seit aleppo gehen uns einheimische auf den sack. bloss weg hier. -nbo

 

Haste Toene
kairo, 26.11.2004

Wir haben schone 'ne Menge aegyptische Spezialitaeten probiert, gebackene Tauben, Foul - gekochte Saubohnen -, Beduinen-Calamari. Aber eins kannten wir bis jetzt noch nicht: Koschari. Wo es das beste Aegyptens geben soll, verraet uns Ashrab aus dem Cairo Jazz Club und verdreht dabei schwelgerisch die Augaepfel. "But be careful," meint er, "very explosive!" Aha? Das Abu Tarek ist ein typisches Fastfoodrestaurant, in das die aegyptische Durchschnittsfamilie Essen geht. Ungewollt stylisch sieht es hier aus, weil nahezu alles aus Stahl ist, das Geschirr, das Mobiliar, praktisch eben. Hier bestellen wir, ohne zu wissen, was uns erwartet, das in den hoechsten Toenen angepriesene Mahl: ein Nudel-Reis Gericht mit Zwiebeln und roten und gruenen Linsen. Zum Wuerzen eine hoellenscharfe Piri Piri Sosse und Zitronen-Knoblauchwasser. Es schmeckt goettlich, zum Niederknien und Jauchzen, ein echter Kracher. Aber das Zeug hat es tatsaechlich in sich, alle Vorwarnungen waren gerechtfertigt. Schon auf dem Weg zurueck ins Hotel gehts los, das Rumoren im Orchestergraben. Die Fanfare der Trompetenkaefer tutet durch die naechtliche Stadt und ist erst am naechsten Abend in der weissen Wueste verhallt. Das reinste Hupkonzert. nach Diktat verreist -dwo

 


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