und wieder raus aus dem sudan khartoum, 10.12.2004seit drei tagen sind wir nun im sudan. ehrlich gesagt, reicht uns das schon. nicht dass hier etwas vom krieg in darfur zu spueren waere. aber irgendwie ist das land nicht gerade heiter. selbst die strecke von atbara am nil entlang nach khartoum, die schlussetappe unserer busfahrt, war oede. und atbara (kleinstadt mit 60.000 einwohnern) eine ebenso trostlose ansiedlung von haeusern in der wueste wie die hauptstadt khartoum. ich haette nicht mal lust, eine andere provinz zu erkunden, selbst wenn wir zeit genug haetten. morgen fahren wir richtung gedaref, um dort einen truck an die aethiopische grenze zu finden. -nbo |
| ein afrikanischer moloch khartoum, 10.12.2004was fuer eine schrecklich stadt. ein lehm und beton gewordenes nichts am zusammenfluss von weissem und blauem nil. ueberall sieht es aus wie nach einem bombardement. brachflaechen, hausskelette, bei denen man nicht weiss, ob es unfertige neubauten oder ruinen sind. im industriegebiet vor khartoum warten ziegenherden mit ihren hirten zwischen fabriken auf was auch immer. am nilufer in der innenstadt langweilen sich grimmige soldaten vor ministerien. kein cafe, keine promenade. als wir uns auf eine bank setzen, um auf den traurigen nil zu schauen, werden wir weg gescheucht. hinsetzen nicht erlaubt. je 40 kilometer in alle vier himmelsrichtungen erstreckt sich dieser platte drittweltmoloch von der innenstadt. 1977 lebte hier 1 million einwohner, heute sind es 2 oder 3, niemand hat mehr nachgezaehlt. die innenstadt ist ebenso amorph wie die vorstaedte, auch hier seitenstrassen aus schutt, bankgebaeude von undefinierbarem architekturstil, die eine oder andere ziege. das klingt vielleicht ganz cool, es ist aber trostlos. der freundlichkeit der sudanesen tut das allerdings keinen abbruch. ein spaesschen, ein lachen, und wenn man nicht weiter weiss, hilft jemand (ausser soldaten, die sollte man meiden). nach omdurman, dem einzigen offenbar etwas aelteren und gewachsenen stadtteil, gehen wir mit unserem muskelkater nicht. es ist zu heiss, wir sind zu kaputt. guesthouses gibt es in khartoum nicht, fuer die paar verirrten rucksackmenschen lohnt das nicht. das billigste doppelzimmer kostet 38 dollar (ist aber auch wirklich in ordnung). die NGOs tummeln sich im "hotel acropole", fuer 175 dollar die nacht. wir gehen kurz hin, um in ermangelung eines handbuchs ueber den sudan ein paar informationen rauszubekommen. die beiden europaeer, die das hotel leiten, sind ziemlich arrogant. als traveller bist du hier nur pack, erst recht, wenn du noch den staub der wueste an dir hast. alkohl gibt es im ganzen staat offiziell nicht. nur in khartoum duerfen auslaender und vermutlich einheimische oberschichtler in privatclubs picheln. wir muessen uns mit einem alkoholfreien bier nach all den strapazen begnuegen, das uns der eine der beiden acropolisten herablassend anbietet. in einer provinz, lese ich aber in einer kolumne des "sudan monitor" (tageszeitung), haben frauen ein alkoholgebraeu entwickelt, das knallt. sie haben es "internet" getauft, "because it connects you to the world within", wie der kolumnist schreibt. koennen diese frauen nicht den sudanesischen staat uebernehmen? -nbo |
| no sleep till khartoum 9.12.2004vor vier stunden sind wir in khartoum angekommen - nach einem dreitaegigen gewaltritt von aswan (suedaegpten) aus. 28 stunden auf der nasser-stausee-faehre und dann noch einmal 28 stunden fuer 1000 kilometer (kein witz) im bus durch die wueste. jetzt haben wir einen ganzkoerpermuskelkater, den wir erst mal wegschlafen muessen. die einzelheiten dieser abenteuerlichen tour findet ihr unten. der grund fuer unsere eile war uebrigens, dass die einreisefrist auf unserem aethiopien-visum naechsten dienstag ablaeuft. -nbo |
| Sitzen lernen 8./9.12.2004Mittags steigen wir in den LKW-Bus nach Khartoum. Wie lange die Fahrt dauern soll, kann uns keiner genau sagen. Die Auskuenfte reichen von 15 Stunden bis hin zu zwei Tagen. Wir freuen uns wie die Koenige, einen Sitz in der letzten Reihe an der Tuer erwischt zu haben. Endlich mal viel Platz fuer die Beine. Doch schon nach 500 Metern werden wir durch ein Schlagloch eines Besseren belehrt. Aus freiem Fall prallen wir auf unsere Sitze zurueck, au Backe! Nicht zum Festhalten, kein Vordersitz, der den Stoss abfaengt. Und das auf einer unausgebauten Huckelpiste, die jedem Motocross-Fahrer das Herz hoeher schlagen liesse. Neugierig werden wir angegrinst, waehrend unsere Gliedmassen in der Luft wilde Kapriolen schlagen, um dann unsanft auf dem Schoss des verdutzten Sitznachbarn zu landen. Voelkerverstaendigung der etwas anderen Art. Zur Belohnung fuer die willkommene Kurzweil bekommen wir in der Pause Zigaretten geschenkt, ein Polizist aus Saudi Arabien uebernimmt gar die Patenschaft fuer uns und schaut bei jedem Halt nach unserem Wohl, laedt uns zum Essen ein und schuettelt dauernd den Kopf. Er kann es selber nicht fassen, worauf er sich bei diesem Trip eingelassen hat. Eine durchschnittliche Fahrt in einem der Ruettel- und Schuettelautomaten auf dem Hamburger Dom dauert fuer gewoehnlich nicht laenger als fuenf Minuten und kostet drei Euro. Aber diese hier dauert nun schon 5 Stunden, quasi unbezahlbar, und wir haben noch nicht mal die Haelfte der Strecke hinter uns. Ich habe schon jetzt das Gefuehl, als wuerde ich auf meinem unteren Rippenbogen sitzen. Die Sitze sind mit 3cm dickem Schaumstoff gepolstert, der den harten Aufprall um nichts schmaelert. Jeder Arzt haette uns schon jetzt ein Schleudertrauma bescheinigt. Wer einmal auf einem Rodeobock geritten ist, kann den Bewegungsablauf in etwa nachempfinden. Hysterisch kichernd klammern wir uns unter unseren Sitzen fest, um zumindest die Flughoehe zu beeinflussen. Im Bus herrscht ausgelassene Stimmung, ausweglos sind alle dem selben Schicksal ausgeliefert. Die drei Jungs aus Kairo einige Sitzreihen vor uns drehen sich zu uns um, winken uns zu und rufen immer wieder "Nil, Nil!" 10 Stunden dauert dieser Ritt jetzt schon, und es ist kein Ende abzusehen. Wir sind gefangen in einer Zeitschleife, die sich minuetlich von Aufprall zu Aufprall wiederholt. Draussen wird es dunkel, und wir reiten weiter durch die Daemmerung. Pause. Teppiche werden ausgebreitet, wir werden von unserem saudischen Paten zum Tee eingeladen und strecken unsere verpruegelten Koerperteile von uns, waehrend sich zehn Meter hinter uns eine Reihe von fuenfzehn Kaftantraeger zu einer Mauer aufbaut. Einer nimmt Anlauf, lueft den Ball ueber ihre Koepfe hinweg in die obere linke Ecke. Tor, Tor!, die Menge jubelt. Nein, falsch. Die Gewandeten gehen hingebungsvoll gemeinsam in die Knie zum Sonnenuntergangsgebet. Sogar auf einer solchen Knueppeltour wird nicht versaeumt, Allah zu danken. Sie haben auch die besseren Plaetze. Weiter gehts stundenlang durch die sternklare Nacht. Ohne weitere Erklaerung wird um zwei Uhr unvermittelt im schwarzen Nichts angehalten. Festgefahren im Sandboden? Einige nehmen ihre Teppiche und Wolldecken unter den Arm und legen sich nach draussen. Jetzt haben auch wir es verstanden, Nachtruhe befohlen. Unvorbereitet auf dieses Nachtlager bleiben wir im Bus und versuchen im 90-Grad-Winkel einzuschlafen. Wenigstens ruettelt es jetzt nicht mehr, dafuer wird mehrstimmig atonal geschnarcht. Neben meinem Ohr hat einer Schnupfen und ich hoere seinen Rotz rhythmisch durch seine Nebenhoehlen blubbern. Keine Chance, so kriegen wir kein Auge zu. Wir steigen ueber Leiber und schlafende Koerperteile aus dem Bus und legen uns mit unserem duennen Deckchen in die klirrendkalte Wuestennacht. Nach zwanzig Minuten kapitulieren wir auch hier. Lieber im warmen Bus doesen, als zaehneklappernd hier draussen zum Eisblock zu werden. Zurueck im Bus gelingt es uns auf wundersame Weise dann doch noch, drei Stunden zu schlafen. Um halb acht heisst es dann wieder Aufsitzen zum 8-stuendigen Schlussritt nach Khartoum. Nach 28 Stunden Busfahrt weiss ich nun auch, was mit dem Wort Sitzfleisch gemeint ist. Ich habe jedenfalls keins mehr. Wo meins einmal war, sind nur noch Schwielen. nach Diktat verreist -dwo |
| zen oder die kunst im bus zu sitzen 8.12.2004du weisst laengst nicht mehr, wie viele stunden du schon in diesem LKW-bus sitzt. als die sonne am wuestenhorizont unterging, waren es sechs stunden. das ist lange her. jetzt scheinen ein paar sterne durch die halbblinden fenster. im bus herrscht finsternis. als der fahrer endlich die scheinwerfer anmachte, ging die innenbeleuchtung aus. man kann nicht alles haben. bei jeder bodenwelle fliegst du aus dem sitz und landest hart auf deinem hintern. du hast laengst aufgehoert, von einem kuehlen bier zu traeumen. vorhin schweiften die gedanken noch in die vergangenheit, die zukunft, prallten ab und verebbten schliesslich. alles, was geblieben ist, ist dieses rollende schuettelrost, die pure gegenwart. du hast keine beduerfnisse mehr, starrst in die dunkelheit des busses und versuchst, den naechsten stoss abzufangen. keine musik, kein buch, in dessen traumwelten du entfliehen koenntest. hellwach bist du, das reine koerperliche sein, ein leichter schmerz. ja, du bist. und laechelst unbegreiflicherweise. dann zuendest du dir eine zigarette an, rauchst mit deinen sitznachbarn und sprichst ueber fussball. -nbo |
| morgens in wadi halfa 8.12.2004um sieben uhr bin ich an der haltestelle, an der die busse abfahren sollen. so frueh muesse ich kommen, um eine fahrkarte zu sichern, hiess es gestern am schalter. von wegen. eine handvoll menschen verliert sich hier, die sonne ist noch nicht aufgegangen, sand und plastikmuell treiben im kuehlen wind. eine frau hat ihren kleinen teestand aufgebaut, faechelt dem holzkohlenfeuer luft zu. weihrauch steigt aus der glut auf. ihre konkurrentinnen kommen gerade erst an, und so versammeln sich die ersten versprengten am stand dieser gut aussehenden nubierin. kaffee, tee, kakao, ingwer, hibiskusblueten, milchpulver, weihrauchkuegelchen, sie hat alles. wohin ich wolle, fragt mich einer. nach khartoum. der ticketschalter ist noch zu, sagt er. wir trinken den ersten kaffee, den ersten tee, reden wenig, die sonne geht auf, die anderen nubierinnen beobachten argwoehnisch unsere ausgeschlafene teefrau, um die sich immer mehr wartende scharen. ein aelterer araber gibt mir einen tee aus. die holzkohlen der anderen frauen gluehen noch immer ungenutzt. ein mann aus khartoum beruhigt mich, alles sei hier in "sudan time", sieben uhr kann auch acht uhr sein. wir trinken noch einen kaffee. und was ist mit dem krieg in darfur? der ist weit weg, sagt der khartoumer und laechelt. der platz wird voller und voller, wann oeffnet der ticketschalter, frage ich erneut, nervoes? ach, der ist schon auf, sagt der khartoumer jetzt. mich trifft der schlag, ich renne zu den holztueren auf der rueckseite der baracken, ich habe die falsche im auge behalten. in einem ticketoffice hat sich schon eine menschentraube versammelt. ich draengel mich zum verkaeufer durch, zwei tickets nach khartoum bitte. nur noch ein platz uebrig. mir wird heiss. es ist schon neun uhr. soviel kaffee, tee und warten, um den bus vor der nase zu verpassen? der khartoumer redet jetzt auf arabisch auf den verkaeufer ein, ein ernster blick, ein nachdenkliches wiegen des kopfes, OK zwei plaetze, bitte sehr. wann faehrt der bus, frage ich beim bezahlen. "now" sagt der verkaeufer gewichtig. drei stunden spaeter geht es los. -nbo |
| ein aegyptischer business-fuchs wadi halfa, 7.12.2004spaet am abend setzt sich ploetzlich ein alter, staemmiger aegypter in einem schwarze kaftan zu uns, kramt sein englisch hervor und erklaert uns seine geschaeftsidee. seit 20 jahren traeumt er davon, autoersatzteile wie zylinderkoepfe aus deutschland nach aegypten zu importieren, um sie dort fuer das vierfache zu verkaufen. kann man leicht ein visum fuer deutschland bekommen? wieviel kostet ein alter LKW auf einem deutschen autofriedhof? fragen, auf die wir keine antwort wissen. aus drei alten lastern koenne man in aegypten einen neuen machen, erklaert er mit siegerlaecheln. in deutschland seien maschinenteile ja nach einem jahr veraltet, in aegypten dagegen koenne er auch mit vier jahre alten teilen noch ein bombengeschaeft machen. er sei haendler, die araber seien alle gute haendler, fuegt er hinzu. zumindest hat er es in kairo zu einem mercedes und zwei haeusern gebracht. obwohl er gut und gerne 60 ist, treibt ihn immer noch der ehrgeiz, "business" zu machen. aber business allein ist heute nicht alles, ja vielleicht sogar das problem der arabischen laender, denke ich. in zeiten der globalisierung kann technik nicht mehr nur ein importgeschaeft sein. man muss selber entwickeln und weiterentwickeln. daran hapert es offenbar in aegypten, wie ich in der al ahram weekly gelesen habe. der aegyptische maschinenpark ist offensichtlich unglaublich veraltet, ein guter teil duerfte nach westlichen massstaeben als schrottreif gelten. aber solange staaten wie aegypten nur alte technik importieren, weil neue zu teuer ist, werden ihre wirtschaften den technischen rueckstand nicht aufholen koennen. dann fehlen wieder umsaetze fuer investitionen, ein ewiger teufelskreis, aus dem auch maenner vom schlage des sympathischen alten business-fuchs aegypten herausreissen koennen. zum schluss tischt er uns noch eine echte raeuberpistole auf. ja, hitler sei der groesste staatsmann gewesen (das ist an sich noch nicht so ueberraschend, hoert man in dieser weltgegend immer mal). dass die deutschen die atombombe nicht gebaut haetten, habe daran gelegen, dass die USA die deutschen atomwissenschaftler entfuehrt und gezwungen haetten, die hiroshima-bombe zu bauen. "das haben sie noch nicht gewusst, oder?" fragt er uns und freut sich. "da koennen sie von mir noch etwas ueber ihre eigene geschichte lernen." dann verabschiedet er sich und kuesst woldo und mich auf die wangen. wir sind baff. -nbo |
| Endlich in Afrika wadi halfa, 7.12.2004Die 28 Stunden auf der Faehre sind ueberstanden und noch immer haengt der beissende Kaesemaukengeruch in der Luft, den wir waehrend der gesamten Ueberfahrt in der Nase hatten. Wen wunderts, bei diesen Fuessen. Aufgesprungene Hacken, in denen bestimmt so einiges nistet. Wahrscheinlich wurden die Nylon-Strumpfhosen ohne Fuessling fuer den arabischen Markt erfunden, denn jede andere mit Fuss waere schon nach dem ersten Tragen hinueber. Neben diesen Fuessen zu schlafen macht nicht allzu grosse Freude. Ihr Geruch treibt einem die Traenen in die Augen, vor allem, wenn man sie als Betthupferl neben den Kopf gelegt bekommt. Dann, im Hafen von Wadi Halfa ist es ploetzlich da, Afrika! Wir haben Glueck und bekommen zwei Betten in dem ueberfuellten Hotel Nil, einem ummauerten Hof mit Lehmhuetten. Dienstags, wenn die Faehre aus Aswan ankommt, ist hier, in der einzigen Uebernachtungsmoeglichkeit im Ort, die Hoelle los. Sogar draussen im Hof werden Betten aufgestellt. Die Klos sind Betonverschlaege mit Pinkelrinne im Boden, alles sehr spartanisch. Aber diese Einfachheit stoert nicht weiter, im Gegenteil, jetzt hats mich gepackt, das afrikanische Fieber. Geschrumpft auf die absolute Beduerfnislosigkeit fallen die Ansprueche der Zivilisation von mir ab und machen einer heiteren Gelassenheit platz. Auf der anderen Seite der Sandpiste, der Hauptstrasse des Ortes stehen einige bunte Plastikstuehlchen neben einem Bretterverschlag, ein fuelliger Kaftantraeger wedelt ueber der heissen Glut der Steine das Fleisch gar. Und richtig, dies ist das "Restaurant", in dem sich alle Hungrigen und Durstigen von der Faehre nach und nach einfinden. Alles bekannte Gesichter und auf nahezu jedem europaeischen dieses heimliche Strahlen. Alle sind geraedert, aber gluecklich. Der afrikanische Kontinent hat soeben begonnen. Zwar sind die Frauen hier auch verhuellt, aber ihre Tuecher sind farbenfroh und elegant. Im Vergleich zu ihren tristen, oft plumpen arabischen Schwestern wirken sie wie buntgewandete nubische Goettinnen. Grazil und anmutig jede ihrer Bewegungen, schuechtern ihr strahlendweisses Laecheln dem Fremden gegenueber. Ihre Haende und Fuesse weich und zart, keine verhornten Hacken und Gesichter mehr. Und selbst wenn ein solcher Fuss mal riechen wuerde, naehme ich es ihm nicht uebel. So gut und fest wie hier, auf einer Stahlpritsche im kargen Lehmhuettchen mit Sandboden, habe ich waehrend der ganzen Reise noch nicht geschlafen. Etre simple. nach Diktat verreist -dwo |
| die traurige arche 6./7.12.2004als wir gegen elf am faehranleger beim "high dam" von aswan ankommen, glauben wir zunaechst an einen schlechten witz. dieser seelenverkaeufer soll die faehre sein? als der mann von der river nile transport company in aswan uns sagte, es wuerden 600 passagiere mitfahren, waren wir erleichtert. das ist ja nichts im vergleich zur 2000-mann-faehre von aqaba nach nuweiba, dachten wir. aber dieses boot ist kaum groesser als eine der grossen HVV-faehren im hamburger hafen (und tatsaechlich auch in hamburg gebaut, wie wir spaeter entdecken). wir gehen an bord und breiten unsere decke unter einem der beiden rettungsboote aus. dann schauen wir sieben stunden dem spektakel des beladens zu. LKW um LKW rollen auf den kai, turmhoch beladen mit matratzen, kuehlschraenken, farbeimern, colapaletten, zwiebelsaecken... wuetend sich anbruellende hafenarbeiter schleppen die fracht an bord, die 600 reisenden kommen dazu, bis jeder quadratzentimeter stellflaeche von menschen und guetern bedeckt ist. sogar die rettungsboote werden beladen. das tuepfelchen auf dem i ist der jeep eines aelteren hollaendischen paares, der zuletzt auf den schleppkahn muss. auf diesem werden weitere tonnen fracht hinter der faehre herfahren. inmitten der kisten und ballen haben die hafenarbeiter einen kleinen korridor freigelassen, in den der arme hollaender seitlich seinen wagen fahren soll. dumm nur, dass unter der last der kahn einen meter unter die kaimauer gesunken ist. anstatt planken zu legen, wird der schleppkahn kurzerhand ein paar meter nach links manoevriert, bis die kaimauer nur noch 40 zentimeter ueber dem kahnboden liegt. die menge haelt den atem an. wird der jeep im wasser landen? nein, irgendwie setzen die vorderraeder doch auf dem kahn auf und zwei minuten spaeter ist der ganze jeep an bord. man moechte fast applaudieren. als wir endlich ablegen, ist es schon dunkel. dann tuckern wir die naechsten 20 stunden ueber den nasser-stausee. als ich spaeter unser bordessen, das jedem passagier zusteht, abhole, schlaegt mir unter deck eine wueste geruchsmischung aus erbrochenem und gekochten saubohnen entgegen. ueber beine, kisten und andere koerperteile trage ich die tabletts aufs deck. immerhin schmeckt es, aber was heisst das schon? in so einer situation schmeckt fast alles, was satt macht. die nacht ist lang, aber der schlaf kurz. immer wieder wachen wir auf, weil unsere knochen auf dem harten stahlboden aechzen. dann geht endlich die sonne auf. am seeufer ist nicht, kein haus, kein baum. tempel und doerfer sind in den 60er jahren in den gestauten nilfluten versunken. es ist, als ob wir auf einer traurigen arche am zweiten schoepfungstag durch universum schippern: nur wasser, wueste und gleissendes licht. um drei uhr nachmittags legen wir schliesslich an. dass die fahrt trotzdem ertraeglicher ist als die aqaba-faehre vor drei wochen, verdanken wir zwei bonnern, hans und klaus, die mit ihren motorraedern nach kapstadt fahren. geteiltes leid ist eben halbes leid, und so mancher witz macht die endlosen stunden annehmbar. hoffentlich sehen wir sie in aethiopien noch mal wieder. ueberhaupt sind auf der faehre nur traveller, die es mit jeep und truck nach kapstadt zieht. zuhause war unsere route fuer viele eine verrueckte idee, hier unterwegs ist sie nur noch der kap-kairo-pfad, auf dem nicht wenige unterwegs sind. das verbindet ungemein, man ist mit seinem spleen nicht allein. -nbo |
| ein paar tips zu aegypten... 6.12.2004
...schliesslich doch noch. ALLGEMEIN visa bekommt man an den grenzuebergaengen; von jordanien mit der faehre kommend gibt man seinen pass auf dem schiff ab, sagt dem offiziellen "ganz aegypten" (sonst bekommt man nur ein sinai-permit, mit dem man nicht mal bis kairo kommt) und holt den pass an nuweiba im einreisebuero des hafens nach der landung ab. TRANSPORT durchs niltal fahren diverse zuege, wir sind nur einmal von luxor nach assuan damit gefahren und haben das sehr genossen. die busse sind aber in ordnung, fahren zwischen allen wichtigen orten (incl. westliche oasen) mindestens einmal am tag. vorsicht, wenn ihr mit einem service-taxi zu mehreren von dakhla nach luxor fahrt: den abzweig nach luxor, 90 km hinter dakhla darf man nur bis 16 h nehmen, danach wird die strasse gesperrt. UEBERNACHTEN dahab: die "pension jasmine" (+2-069-640852, mobil +2-012-3552318) ist sehr zu empfehlen, DZ zwischen 60 und 120 pfund (7,50 bzw. 15 euro), restaurant mit der obligatorischen kissenlandschaft, aber etwas weiter weg vom rummel der mittleren strandpromenade. die leute, die den laden schmeissen, sind laessig und freundlich. - kairo: sehr beliebt ist die "pension roma", aber schnell ausgebucht, deshalb stiegen wir im "lialy hostel" ab (+2-02-5752802, 5753404). DZ ohne bad kostet 60 pfund, schlicht, aber in ordnung (ca. 7,50 euro). das lialy liegt direkt am talaat-harb-platz, mitten im zentrum, die kairoer sagen downtown, aber es gibt dort keine hochhaeuser, sondern eher an paris erinnernde altbauten. - oase farafra: hier gibt es nur zwei hotels, das "el waha" und das "badawiya". das el waha ist eine bruchbude, auch wenn hamdy, der bruder des managers, ein netter kerl ist. aber spaetestens bei der wuestentour versuchen die beiden, einen abzuzocken. das "badawiya" ist schon etwas schicker (und manchmal ausgebucht), bietet aber vernuenftige touren an (s.u.). handy: +2-012-092-510400 oder die kairoer nummer +2-02-5758076. - oase farafra: in der stadt gibt es das "el forsan", zentral, guenstig, sauber, in ordnung, zimmer mit bad (+2-92-7821343, elforsan_1@yahoo.com). besser ist "nasser's hotel" am stadtrand. nasser, der mal ein paar jahre in berlin gelebt hat und deutsch spricht, bietet wuestentouren, erstklassige massagen (1 stunde 40 pfund, ca. 5 euro) und naturheilkundliche praeparate an. der mann ist absolut spannend. einen dachswimmingpool gibt es in seinem hotel auch. so erreicht ihr ihn: - luxor: mit einem grossartigen blick auf nil und luxortempel wohnt man im "mina palace hotel". die hotelschergen laufen noch im weissen jacket rum, alles hat ein wenig patina angesetzt, aber das DZ mit bad und balkon ist fuer 100 pfund zu haben (12,50 euro), der offizielle preis ist etwas hoeher, aber der chef laesst mit sich handeln. fruehstueck ist mit drin (allerdings nicht der rede wert). telefon: 372074 (die vorwahl von luxor hat sich kuerzlich geaendert, muessen wir noch raussuchen). - assuan: wir waren zwar im "horus hotel", aber das "al salaam" ein paar meter weiter an der uferpromenade ist deutlich besser. in beiden kosten das DZ 60 pfund, aber im salaam ist es richtig gross und hat noch einen vernuenftigen balkon. telefon: +2-067-302651. TOUREN berg sinai: in dahab bieten alle taeglich die nachttour an, kostet zwischen 50 und 80 pfund pro nase, je nachdem, bei wem man bucht. los geht's am abend, mit dem minibus zum katharinenkloster und von da zu fuss ueber den kamelpfad auf den gipfel. der aufstieg ist gemaechlich, macht in jeder huette auf einen tee pause (5 pfund), sonst seid ihr zu frueh oben und friert euch den arsch ab bis zum sonnenaufgang. oben werden auch decken und matratzen vermietet (20 pfund). weisse wueste: das badawiya hotel bietet touren fuer 250, 400 und 600 pfund pro nase an, also 3 stunden, halber oder ganzer tag. im unterschied zu anderen anbietern in der oase bietet die badawiya-tagestour alles sehenswerte, die anderen wollen fuer 600 pfund nur die halbe strecke fahren. telefonnr: handy: +2-012-092-510400 oder die kairoer nummer +2-02-5758076. SONSTIGES die tempel und straende findet ihr alleine, das brauchen wir nicht aufzuschreiben. in kairo noch zwei empfehlungen: der cairo jazz club, strasse des 26. juli 197, stadtteil agouza, telefon: kairo-3459939, www.cairojazzclub.com, ist klasse und keine touristenfalle; und das schnellrestaurant "abu tarek" in der champollion street, hinter dem talaat-harb-platz, bietet ein sensationelles essen - koschari, ein mix aus nudeln, reis, linsen, gewuerzen, die kleine portion fuer 3 pfund, die grosse fuer 5 (40 bzw. 60 cent), und das ganze ist man in einem edelstahlambiente. wir gehen sofort wieder hin, sollten wir wieder mal nach kairo kommen.
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