Captainsdinner auf der MS Damaskus
damaskus, 11.11.2004

Rosa Tischdeckchen im vorderen Teil des Glaspavillons, der restliche Bereich in feinem Leinen mit Bluemchendekor auf jedem Tisch. Eine Athmosphaere wie auf dem Traumschiff. Dezente Piano-Konservenmusik rieselt aus den Lautsprechern. Der Maitre de nimmt die Bestellung auf und sofort huepft eienr der zehn befrackten Helferlein herbei und beglueckt uns mit den Vorspeisen. Frische Radieschen, Minze, Karotten und Oliven. Bis auf unseren Nachbartisch ist der Laden menschenleer. Die Belegschaft steht vor dem obligatorischen Deckenfernseher und starrt gespannt auf einen Bericht ueber Arafats Aggregatszustand. Leichter, duftiger Safranreis, elegant gewuerzt mit Kardamom, Rosinen und Mandeln wird gereicht, dazu ein Huhn, das bei der ersten Beruehrung mit der Gabel vom Knochen faellt. Auf dem anderen Teller gebratene Lammkoteletts, die Masstaebe setzen, Moehrchen, Bohnen und Schmorkartoeffelchen, die ihresgleichen suchen. Waehrenddessen immerzu Richard Clayderman, jetzt eine Variation von Bryan Adams "Everything I do". Zum Abschluss eine dezent mit Rosenwasser abgerundete Pudding-Nachspeise unter einer Pistazien-Nusshaube, dazu arabischer Kaffee mit Kardamom. Opulente Obstteller kreisen. Das alles bekommt man, wenn man in Damaskus einmal stolze acht Euro auf den Kopf haut. Der Maitre de, der sein Gesicht nur ein einziges Mal zu einem Niessen verzogen hat, wuenscht uns eine gute Nacht. Wir gehen von Bord des Restaurants Al Kamal, hinaus in die Fluen der syrischen Grossstadt. nach Diktat verreist -dwo

 

in der moschee
damaskus, 11.11.2004

ich bin noch nie in einer moschee gewesen. die erste ist die omayyaden-moschee in damaskus. viertheiligste staette des islam (nach mekka, medina und dem felsendom in jerusalem). ich muss sagen, ein guter ort. im innern ist alles mit dicken teppichen ausgelegt. kronleuchter haengen von der decke. einige beten. andere halten ein nickerchen oder diskutieren leise. ein hort der ruhe und kontemplation in der brodelnden unruhe einer arabischen grossstadt. aber viel ungezwungener als in einer kirche, und nicht so feierlich wie in einem buddhistischen tempel. die moschee ist der oeffentliche raum der stadt, den ich sonst so vermisse. keiner schaut einen komisch an, wenn man als offensichtlicher nicht-moslem hier ist. man kann das nicht laut genug sagen in dieser vergifteten zeit, in der der islam unter generalverdacht steht. ich will auch nichts schoenreden: der islam hat natuerlich ein elitaeres selbstbild. in istanbul habe ich mir den koran auf deutsch als reclam-ausgabe gekauft. wann, wenn nicht jetzt, einen blick in das "buch der buecher", wie es die araber sehen, hineinwerfen? weil de islam nicht von philosophen und dichtern erdacht wurde, sondern als gottes unmittelbares wort gilt, ist er nur in der arabischen originalfassung "der" koran, sagen die islamischen theologen. unuebersetzbar. gott hat zur menschheit auf arabisch gesprochen. alle uebersetzungen sind nur annaeherungen. historische textkritik ist nicht nur ueberfluessig, sondern auch sinnlos. als rationaler westler, der ich nun mal bin, erst recht als aus der kirche ausgetretener katholik, kann ich das nicht akzeptieren. muss es als absurd zurueckweisen. sei's drum: die omayyaden-moschee gefaellt mir. ihre atmosphaere. der islam k a n n auch sehr tolerant sein, sehe ich. die militanten sind nicht alles. es ist uebrigens bemerkenswert, dass im osmanischen reich jahrhundertelang echte religioese toleranz herrschte, als in europa, etwa in der bartholomaeus-nacht in frankreich, protestanten (hugenotten) abgeschlachtet wurden. der islam ist widerspruechlich, keine frage. aber mit einerm einfachen schwarzweissraster nicht zu ergruenden. woldos zorn auf die missachtung der frau ist allerdings voellig gerechtfertigt. aber diese ist nur ein teil des puzzles. -nbo

 

clerks, libanesisch
beirut, 9.11.2004

ein paar worte moechte ich doch noch ueber unser tarantino-hotel verlieren. und ueber die drei "clerks", die den laden schmeissen. als wir ankommen, ist das bad verkalkt. im abfluss der badewanne eine ganze peruecke. handtuecher gibt es nicht. ich geh also nach unten, um den sympathischen slacker (sprich: den "hotelmanager") um zwei zu bitten. er ruft in einen gesichtslosen raum neben dem foyer. ein gelangweilter scherge kommt raus. anweisungen auf arabisch. der scherge bringt zwei graue handtuecher. ein grau, das nicht etwa vom hersteller so gedacht war, sondern eines, das nach hunderttausend waschgaengen uebrig bleibt. der scherge faehrt mit mir im fahrstuhl nach oben. was soll das, die handtuecher kann ich doch selbst hochbringen. dann steht er bei uns im zimmer und murmelt "bakshish". na klar. habe ich nicht. er zieht genervt ab. als ich kurze zeit spaeter mit bierdosen wiederkomme (aus einem laden, in dem ein unikum residiert, typ verfetteter senator aus dem alten rom), gibt es keine glaeser im zimmer. ich wieder runter. zwei glaeser? anweisungen auf arabisch. der scherge steht augenrollend auf, waehrend der slacker und ein dritter genuesslich weiter an der wasserpfeife ziehen. die drei jungs verbringen offenbar jeden tag 24 stunden im foyer. morgens pennen sie auf dem sofa. ab 12 geht der fernseher an, natuerlich mit satellitenfernsehen, dass sie uns auf dem zimmer vorenthalten. um zwei wird der scherge falafel holen geschickt, dann essen die drei. spaetestens um sechs wird die wasserpfeife vor dem sofa aufgebaut, den fernseher immer im blick. um zwoelf oder eins nachts ist der slacker nur noch imstande, einem mit glasigem blick ein freundliches "goodnight" zu wuenschen. dann ist auch schon wieder ein tag rum. am naechsten morgen druecken ein paar abreisende gaeste ihr geld ab, und dann geht es nicht etwa ans putzen, sondern vor den fernseher im foyer. ein neuer tag beginnt im hotel regis. was fuer ein leben. -nbo

 

morgens in beirut
9.11.2004

auf drei spuren braust der morgenverkehr aus der corniche zwischen zerschossenen haeusern durch die rue 61 richtung downtown. autos wechseln hupend die spur, um schneller durchs niemandsland zu kommen. aus dem mit brettern verschlagenen erdgeschoss eines abbruchreifen hotels quillt der geruch von scheisse. in einem muellhaufen daneben ein rascheln. suesslicher dunst steigt auf. ich wechsle die strassenseite, passiere den strom der fahrzeuge wie einen reissenden fluss, steuere auf ein kleines rotverputztes haus zu. das einzige, das nicht vergammelt ist. ich betrete die "cafeteria nesreen altorous" im erdgeschoss. ein kleiner schmuddeliger laden, der kaffee, zeitungen, getraenke und unmengen von chipstueten verkauft. zwei maenner sitzen im halbdunkel vor einer leeren kuehltruhe und rauchen schweigend. der eine starrt auf den verkehr draussen, der gedankenverloren auf die coladosen im kuehlschrank. ich bestelle einen kaffee. der mann hinter der alten italienischen espressomaschine zieht daraufhin an einem langen hebel. es ist fast koerperliche arbeit. dann reicht er mir einen kleinen braunen plastikbecher. der espresso schmeckt phantastisch. alle zwei, drei minuten faehrt ein wagen vor. es geht um den kaffee. ein junge in einem orange kittel nimmt die bestellung durchs beifahrerfenster auf, reicht augenblicke spaeter einen becher, eine zeitung herein. ganz beirut haelt an dem kleinen roten bau: ein geschaeftsmann im dicken BMW, der drinnen stehend ein stueck kuchen runterschlingt, ein arbeiter in verschmiertem overall, der zigaretten kauft. zerbeulte taxen machen kurz pause, bevor sie sich ins tagesgeschaeft stuerzen. auf dem buergersteig diskutieren zwei maenner am nescafe nippend und beobachten den verkehr. ein wagen haelt, ein gruss, einige worte durchs geoeffnete fenster und weg ist er wieder. ich bestelle noch einen saft, und der junge im orange kittel beginnt, hinter der leeren kuehltruhe orangen auszupressen. die beiden maenner davor sprechen noch immer kein wort miteinander. -nbo

 

snapshot #3
beirut, 8.11.2004

"1975". das jahr, als der krieg begann - und die bar, in der der krieg weggetrunken wird. auf sandsaecken in nato-oliv geluemmelt, trinken beiruter hipster cocktails oder ziehen an der wasserpfeife. an der decke haengt ein tarnnetz, der helle putz ueber den sandsaecken ist zerschossen. darueber ist ein arabisches graffitti gesprueht. der smarte barmann bedient in felduniform mit kaeppi auf dem kurzgeschorenen kopf. sein kinnbart laesst ihn wie eine drahtige junge ausgabe von fidel castro erscheinen. ein dicker, offensichtlich wichtiger typ tritt in den sandsack-kral. drei maedels springen sofort auf und begruessen ihn mit kuesschen. der kerl laesst sich neben der huebschesten nieder. die beiden stossen an. dann faengt er langsam an, sie zu befummeln. immer ein bisschen mehr. streichelt ihren bauchnabel, der zwischen den engen jeans und ihrem miederartigen oberteil hervorlukt. sie haelt ihn auf distanz, aber wehrt sich auch nicht. gegenueber spielen zwei typen backgammon. der eine mit trendglatze. alles wie in st. pauli. die musik ist eine mischung aus arabischem pop und ambient funk. der wichtige geht in die offensive, versucht die schoene zu knutschen. sie weist ihn vorsichtig ab und schielt dabei aus den augenwinkeln zu herueber. was sollen wir bloss denken? der dicke ist so was von geil, es ist kaum zu glauben. das ende verpassen wir leider, weil wir dann doch gehen. -nbo

 

beirut - opening soon
beirut, 8.11.2004

als wir aus dem fenster schauen, sehen wir zum ersten mal diese verrueckte stadt bei tageslicht. die haeuser sind angegammelt oder verfallen, fenster starren wie leere augenhoehlen aus den fassaden. in einem hochhaus klaffen noch riesige loecher, die einst granaten hineingerissen haben. dazwischen liegen immer wieder brachflaechen, auf denen zumindest der schutt weggekehrt worden ist. aber schon ragen die ersten bankentuerme in den himmel. zwei strassen weiter hat das radisson hotel aufgemacht. wohin wir auch schauen, ueberall recken sich baukraene, gaehnen gigantische baugruben. an der palmengesaeumten uferpromenade entsteht gerade das hilton beirut: "opening soon", das motto der stadt, das uns auf bauzaeunen, an zugeklebten schaufenstern und von werbewaenden permanent entgegenschlaegt. beirut: das ist eine mischung aus cannes, LA und dem berlin-mitte der fruehen 90er. die stadt schickt sich an, wieder die handelsmetropole des mittelmeeres im nahen osten zu werden, die sie vor dem buergerkrieg einmal war. beirut means business. was sonst, wenn man kein oel, keine rohstoffe hat und auch nichts fuer den weltmarkt produziert? da passt es exakt, dass unser junger "hotelmanager" - mit polohemd, verwaschenen jeans und baseballkappe, der alte "clerk" - sagt, unter den arabischen staedten finde er neben beirut nur dubai gut, diese hyperstadt am golf. hier gelten arabisch, franzoesisch und englisch gleichermassen. durch die strassen rollen luxuskarren und SUVs. geld, party, alkohol, frauen, die keinen fetzen stoff zuviel tragen, all das ist auch beirut. fuer islamisten muss es ein verhasstes suendenbabel sein. junge araber aus anderen laendern scheint es anzuziehen. im nebenzimmer logiert ein sehr freundliches paar aus damaskus, sie aufgedonnert bis zum abwinken. ob sie in damaskus auch so rumlaeuft? es scheint, als wuerden die beiden hier ihren honeymoon verbringen. drei tage im teuren beirut koennen sie sich leisten. noch ist der libanesische traum fragil. vor macdonalds an der corniche, der uferpromenade, schieben soldaten wache. einer ruht sich auf den knien der ronald-mcdonald-figur aus, die auf einer bank sitzt. auch sonst sieht man ueberall militaer, im neu aufgebauten zentrum, ueber dessen retroarchitektur ein hauch von truman show liegt, oder im geschaeftigen hamra. ich bin optimistisch: in zehn jahren wird beirut "die stadt" im nahen osten sein. -nbo

 

tarantino mit hommus
Beirut, 7.11.2004

was ist hier los? abends auf der autobahn von tripoli (nordlibanon) nach beirut kommen wir aus dem staunen nicht mehr raus: casinos, nagelneue hotels, drive-ins, ein bombardement von leuchtreklamen und werbetafeln am strassenrand... kaum zu glauben, dass wir noch kurz vor tripoli an erbaermlichen siedlungen aus plastikplanenhuetten vorbeigefahren sind. es ist fast so, als ob man nach las vegas kommt. vom busbahnhof nehmen wir ein taxi in den stadtteil ain mriesse. das hotel, in dem wir dort absteigen, koennte direkt aus einem tarantino-film stammen. ein heruntergekommener 60er-jahre-bau, der irgendwie den buergerkrieg ueberlebt hat. in der lobby rauchen drei arabische slacker wasserpfeifen. sie schmeissen den laden. die zimmer sind angeschmuddelt. aber bei 20 euro pro nacht und dieser terrasse mit blick aufs meer will man sich nicht beklagen, nicht in einer stadt, in der sich alles nur ums geld verdienen und wieder ausgeben dreht. auf der suche nach etwas essbarem ziehen wir noch um zehn los, nach hamra, ins geschaeftsviertel. aber sonntagabend ist die stadt schon nach hause gegangen. so lassen wir uns an einem tischchen beim imbiss "roi des frites" nieder, wo die letzten versprengten auf dem buergersteig ein nachtmahl zu sich nehmen. es ist lau wie im sommer. das essen ist erstaunlich gut: hommus, chicken shawarma mit zimt gewuerzt, ein libanesischer salat. als ich einen der frittenkoenige frage, was fuer ein paste er da auf dem riesigen crepe-ofen auf den brotfladen schmiert, bekomme ich kurzerhand solch ein "sate" geschenkt. die paste besteht aus oel, sesam und jeder menge gewuerzen. lecker, aber so intensiv, als wuerde man in eine zeder beissen (den libanesischen nationalbaum). ich bin pappsatt, aber tapfer esse ich das geschenk auf. es ist schon erstaunlich: die araber, wie wir sie in den letzten drei tagen kennengelernt haben, sind unglaublich freundlich. keine verschlossenen gesichter, immer ein laecheln parat, manchmal gar eine kleine aufmerksamkeit. das fing im taxi nach aleppo an, als einer der jungen typen uns ein flaeschchen mangosaft aus dem tankstellenstop schenkte. der alte am saftstand in aleppo, bei dem wir jeden morgen frisch gepressten mandarinensaft getrunken haben, schob uns mit breitem grinsen geschnittene apfelstueckchen zu, nachdem ich mit hilfe meines arabischbuechleins "der saft ist sehr gut" auf arabisch radebrecht hatte. und walid im hotel baron bestand darauf, dass wir unser bier und unseren arak nicht bezahlen. er habe uns ja schliesslich am morgen eingeladen, sagt er laechelnd. und das, obwohl er mit uns nicht ins geschaeft gekommen war. was fuer ein unterschied zur tuerkei, wo die leute im vergleich distanzierter waren (trotz tuerkisch-radebrechen meinerseits). in beirut wird mir auch zum ersten mal klar, dass wir schon ein gutes stueck unserer strecke zurueckgelegt haben. "beirut", das hatte in den 80ern denselben klang wie heute "irak" - das pure chaos. dabei ist es nur am mittelmeer. aber die gefuehlte entfernung nach beirut ist immer noch groesser als etwa nach new york. -nbo

 

Im Land der dicken Taube
aleppo, 6.11.2004

Ich bin nun wahrlich keine Frauenrechtlerin, aber was ich hier sehe, geht mir zu weit, und zwar eindeutig. Mein anfaengliches Staunen ueber die strikte Befolgung der Verhuellung weicht einer immer staerker werdenden stillen Aggression, denn eine Provokation wuerde hier sowieso keiner verstehen. Trotzdem ich meinen Kopf aus Respekt gegenueber der anderen Kultur mit einem Nickituch bedeckt halte, werde ich behandelt wie Dreck. Ach nicht mal das, eher wie Luft. Mir werden mit direktem Blickkontakt Tueren in die Rippen gestossen und auf dem Buergersteig nicht nur einmal die Ellenbogen von den gerade mal schulterhohen Arabern in den Busen gerammt. Mit Beruehrung scheinen sie hier keine Probleme zu haben. Sie geifern mich unverholen an, denn meine Kinnpartie samt Nase ist zu sehen. Sogar begrabbelt werde ich hinterruecks, mir schwillt der Kamm! Schon die These "Die Frau gehoert an den Herd" finde ich bestreitbar. Aber "Die Frau gehoert an den Herd und in den Sack" ist fuer mich eine eindeutige Verletzung der Menschenwuerde. Nur damit ausserhalb der eigenen vier Waende kein anderer Mann sie zu Gesicht bekommen soll. Was soll das? Um dadurch die soziale Ordnung zu befrieden, weil Mann sein Geschlechtsteil nicht im Griff hat? Ja laufen denn bei uns staendig alle mit einer Dauererektion herum? Und warum muss diese Unfaehigkeit dann auf dem Ruecken oder besser gesagt dem Kopf der Frau ausgetragen werden? Wenn Frau das Haus verlaesst, hat sie sich zu verschleiern mit trostlosem Schwarz, manchmal sogar komplett wie Huibuh das Schlossgespenst, so dass man nicht mehr weiss, ob sie gerade mit dem Ruecken oder dem Gesicht zu einem steht. Bei einer Teilglatze, einer Gesichtsrose oder aehnlich Stoerendem kann diese Maskerade vielleicht von Vorteil sein, aber wenn eine Gesellschaft es Frauen von vorne herein vorschreibt, empfinde ich das als einen massiven Eingriff in ihre Persoenlichkeit. Und dieselben Maenner, die von ihren Frauen das strikte Befolgen des Vermummungsgebotes verlangen, geilen sich an den blonden Bikinischoenheiten auf, die auf den Fernsehern der Restauraunts als Dauerberieselung in Musik-Clips zu sehen sind. Beschissene Doppelmoral. Aber was ist mit den jungen Frauen? Verhaengen sie sich, um dadurch bessere berufliche Moeglichkeiten zu haben? Um Reibungsverluste mit Familie oder Chef zu vermeiden? Ich nenne das opportun und den Weg des geringsten Widerstandes. Vielleicht tun sie sich irgendwann einmal zusammen und hauen ordentlich auf den Putz. Die weiblichen Generationen nach ihnen werden es ihnen danken. Wahrscheinlich muss man sein Leben hier verbracht haben, um diese Ungerechtigkeit und diesen Mummenschanz zu verstehen. Ich jedenfall bin heilfroh, dass meine Seele in die westliche Kultur hineingeboren wurde! nach Diktat verreist -dwo

 

naher ostblock
aleppo, 6.11.2004

das ist also das vielgepriesene aleppo, die stadt an der seidenstrasse, das tor der mediterranen welt nach asien. bei tageslicht, und das ist nicht viel an diesem grauen tag, sieht es mehr nach 40 jahren arabischer staatswirtschaft aus. die alten haeuser in der innenstadt sind von einer russschicht ueberzogen. am strassenrand weht muell hin und her. die haelfte des verkehrs sind taxis. autos sind so unerschwinglich wie einst im ostblock: sogar fuer einen lada muss man 20.000 euro hinblaettern, wie wir von einem taxifahrer hoeren. und dumm, dass heute feiertag ist. wir haben nur das bisschen geld, dass uns der pfiffige typ vom hotel geliehen hat. in der einzigen bank, die wir finden - natuerlich eine staatliche syrische bank -, ist zwar betrieb, aber geld wird hier heute nicht gewechselt. ein bankmensch schickt uns zu einem exchange am al-jabri-platz, aber da ist keiner. nach einer dreiviertel stunde versuchen wir unser glueck im hotel baron, einem bau mit dem flair vergangener zeiten. mr. walid geleitet uns angesichts der devisen strahlend zu den sofas in der lounge, als wir geld wechseln wollen (das ist privat eigentlich verboten - aehnlich wie frueher im ostblock, immerhin koennen die syrer bei ihrer bank devisen bekommen). er gibt uns einen guenstigen kurs und will uns auch gleich noch eine taxifahrt nach beirut verkaufen. 100 dollar sind aber etwas tough. denken sie darueber nach, sagt er, kommen sie doch heute abend in die bar. kein problem, es ist ja die einzig brauchbare in ganz aleppo. nach drei stunden im gewusel der souqs gehen wir erst mal zurueck in den innenhof des hotels. der einzige oeffentliche raum in dieser stadt, an dem man mal einfach sein kann, sind offenbar die kaffeehaeuser. fuer frauen gilt: "wir muessen draussen bleiben". super idee. im hotel schlage ich die "syria times" auf und staune nicht schlecht: eine ganze seite widmet das blatt einer unglaublichen hetztirade gegen israel. da wird tatsaechlich das angebliche "protokoll der weisen von zion" als quasi wissenschaftlicher beleg fuer die weltherschaftsplaene der juden zitiert. dabei ist seit hundert jahren bekannt, dass dies eine faelschung war, die antisemiten den juden in die schuhe schoben, um ihre politik zu rechtfertigen. echt harter stoff. -nbo

 

doch ein kulturschock
aleppo, 5.11.2004

heute sind wir in der arabischen welt angekommen. im so genannten nahen osten. ich dachte, ich sei von indien und suedostasien schon viel gewusel gewohnt. aber der abendliche aufruhr in der innenstadt von allepo (im norden von syrien, zweitgroesste stadt) haut woldo und mich nach einem tag im bus voll um. schon der grenzuebertritt kurz zuvor war wie eine symbolische zaesur. nachdem wir am tuerkischen grenzposten unseren ausreisestempel bekommen haben, wollen wir weiter zum syrischen laufen. geht nicht: verboten. so sitzen wir rauchend im transit auf einem maeuerchen und warten auf einen wagen, der uns mitnehmen koennte (weil es nachmittags keinen direkten bus von antakya nach aleppo mehr gibt, sind wir auf eigene faust mit einem minibus an die grenze gefahren). gestrandet auf einem leeren parkplatz. nach einiger zeit haelt ein syrisches taxi. fuer 30 dollar koennten wir mit nach aleppo. wir winken ab, zu teuer. der fahrer geht mit dem preis runter: 20 dollar. nun stehen drei araber um uns herum und versuchen uns klarzumachen, dass am abend vom syrischen grenzposten nichts mehr nach aleppo faehrt. "minibus finished". es ist dunkel. das war's dann mit unserer improvisation. wir steigen ein und passieren mit unserem visum erstaunlich schnell den grenzposten. nur 50 kilometer sind es dann bis aleppo, aber es ist, als ob man in einer anderen welt ankommt. auf den strassen dominieren die maenner, manche in kaftanen und sogar mit beduinentuechern auf dem kopf. frauen ohne kopftuch kann man an beiden haenden abzaehlen. viele laufen in den traditionellen schwarzen gewaendern herum, bei einigen sieht man nur noch die augen (aber manchmal mit sorgfaeltig gezupften augenbrauen). ich fuehle mich als analphabet. nicht nur sind alle schilder in arabischer schrift, sondern auch die zahlen in arabischen ziffern geschrieben. menschenmassen schieben sich an diesem freitagabend, der ja unserem sonntag entspricht, durch eine enge fussgaengerzone. koerper an koerper, es ist fast kein durchkommen. verkaeufer schreien, neonlichter blinken. alles ist anders. aber irgendwie atemberaubend. jetzt beginnt das abenteuer "no sleep till kapstadt". die letzten drei wochen waren dagegen nur eine aufwaermuebung. -nbo

 


Anfang|Zurück(Einträge 141 bis 150)Weiter

 

original-blog

route
deutschland
polen
slowakei
ungarn
rumänien
türkei
syrien
libanon
jordanien
ägypten
sudan
äthiopien
kenia
tansania
mosambik
malawi
swasiland
südafrika
andere länder
eure kommentare